Gualicho shinyae: Mächtiger Fleischfresser mit Stummelärmchen

14. Juli 2016, 07:00
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Forscher stoßen in Südamerika auf Fossilien eines kreidezeitlichen Räubers, der sich noch nicht so recht einordnen lässt

illustration: reuters, jorge gonzalez und pablo lara
Kreidezeitliche Jagdszene: Zwei Exemplare von Gualicho shinyae hetzen einen kleinen Pflanzenfresser.

Chicago – Forscher entdeckten in Patagonien Fossilien eines zweibeinigen Dinosauriers mit ähnlich unverhältnismäßig kurzen Vorderbeinen wie T. rex: Der in "Plos One" vorgestellte Gualicho shinyae hatte die Ausmaße eines Eisbären – aber Ärmchen wie ein menschliches Kind. Diese wiesen zudem nur je zwei Finger auf.

Das argentinisch-US-amerikanische Forscherteam wählte den Namen mit einer Portion Galgenhumor: Gualicho bzw. Gualichu ist der Name eines bösen Geists in der Mythologie des in Patagonien lebenden Tehuelche-Volks. Da die Expedition unter einigen Missgeschicken litt, scherzte das Team über den "Fluch von Gualichu". Der Namenszusatz verweist auf die eigentliche Entdeckerin der Fossilien, Akiko Shinya vom Chicagoer Field Museum.

foto: pete makovicky, the field museum
Akiko Shinya bei der Ausgrabung der Gualicho-Fossilien.

Gualicho shinyae, der in der späten Kreidezeit lebte, gehörte zu den fleischfressenden Theropoden, passt aufgrund seiner Körpermerkmale aber nicht so recht in die bekannten Theropodengruppen – die Forscher nannten ihn "eine Art Mosaik-Dinosaurier". Er könnte mit Deltadromeus verwandt gewesen sein, dessen Fossilien in Nordafrika gefunden wurden. Möglich aber auch, dass Gualicho zu den Neovenatoridae zählte, einem Zweig einer relativ alten Dino-Gruppe, zu der auch der bekannte Allosaurus zählte.

Mit dem Tyrannosaurus rex war Gualicho shinyae hingegen nicht näher verwandt, trotz der – so die Forscher – "absurd kurzen" Vorderbeine. Die Forscher werten die Spezies daher als weiteren Beleg dafür, dass es in ganz verschiedenen Theropodengruppen die Tendenz gegeben hat, extrem kurze Vorderbeine zu entwickeln. Warum das so war, ist jedoch noch ungeklärt. (red, 14.7.2016)

foto: reuters/enrique marcarian
Eine Rekonstruktion des Gualicho-Skeletts in Buenos Aires.
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