Unternehmenskultur: "Nicht jeder, der etwas startet, ist ein Start-up"

13. Juli 2016, 18:39
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ORF-Moderator Armin Wolf diskutierte mit Business Angel Michael Altrichter, Twitter-Entwickler Felix Krause, Berater Thorsten Reiter und Herwig Springer von i5invest über Unternehmertum, Mut und Selbstaufgabe

Wien – Der österreichische Informatiker Felix Krause arbeitet seit Herbst 2015 als Entwickler bei Twitter in San Francisco, zuvor kaufte ihm der Social-Media-Dienst sein Start-up Fastlane ab. In den USA sei die Mentalität schon eine andere, erzählt er beim Werbeplanung-Summit in Wien. Die Diskussion mit dem Titel "Disrupting Austria" wurde von ORF-Anchor Armin Wolf moderiert, Thema waren Start-ups und Unternehmertum. "Der Gedankenansatz in Europa ist oft so: Wo können wir noch mehr sparen? In Amerika hingegen: Wie können wir das, was wir haben, noch besser nutzen, um mehr herauszuholen?", sagt Krause über seine Erfahrungen in den USA.

Für Herwig Springer, CEO von i5invest, ist die Start-up-Initiative der Regierung ein guter Weg, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber das Silicon Valley könne man nicht kopieren, in Österreich müsse man an den eigenen Kernkompetenzen arbeiten. Er wünscht sich mehr Fachkräfte, sie könnten aus Osteuropa kommen.

Nicht jeder Starter ist ein Start-up

Der Begriff Start-up sei derzeit eine Modeerscheinung, viele Unternehmer würden glauben, dass sie ein Start-up sind. "Aber nicht jeder, der etwas startet, ist ein Start-up", sagt Investor und Business Angel Michael Altrichter. Er ist Gründer von Paysafecard und Payolution und kritisiert vor allem die Unternehmenskultur im Land. "In Österreich herrscht eine Kultur der Bausparer, hier muss sich grundlegend etwas ändern."

Hierzulande werde man fast ein wenig belächelt, wenn man sich selbstständig macht. "Man muss sich für das Scheitern rechtfertigen – und auch teilweise für den Erfolg." Man müsse schon bei Kindern und Jugendlichen ansetzen, sie ermutigen, nicht nur den "braven Weg" einzuschlagen.

Eigeninitiative gefordert

Den Weg, den Felix Krause geht, sei genau der richtige, sagt Altrichter. "Bei einem namhaften Unternehmen in San Francisco zu arbeiten ist wertvoller als jeder Uni-Abschluss." Den hat Krause aber auch in der Tasche, nach der HTL in Wiener Neustadt machte er den Bachelor in England. Krause weist aber auch darauf hin, dass viele Kurse – etwa vom MIT und der Universität Stanford – auch online angeboten werden. Menschen sollten selbst die Initiative ergreifen. Krause: "Um eine Firma zu starten, braucht man nur einen Computer und Internet."

Mut, Selbstaufgabe, Glück

Was macht einen guten Unternehmer aus?, will Wolf wissen. "Der Unternehmer muss im besten Fall gar nichts können, solange er mit den Leuten kann", sagt Autor, Berater und Blogger Thorsten Reiter. Es gehe fast nie um technische Fähigkeiten, erklärt Springer, Unternehmertum sei "einfach viel, viel Arbeit" – bis hin zur Selbstaufgabe. Altrichter: "Universitäre Ausbildung dafür gibt es keine. Es geht nicht nur um Fachwissen, sondern vor allem auch um Social Skills. Ein guter Unternehmer muss Probleme rechtzeitig erkennen." Und er müsse mutig sein. "Aber oft entscheidet das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein." (ae, 13.7.2016)

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