Bank Austria: EU-Aufsicht lässt ihre Muskeln spielen

14. Juli 2016, 06:00
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Die Aufsicht in der EZB will dem Umbau der Bank Austria nur nach einer Kapitalumleitung von München nach Wien zustimmen

Wien – Der Umbau der Bank Austria ist nicht nur ein Spießrutenlauf für die italienische Unicredit und ihre österreichische Tochter – er dürfte auch zu einem Testfall der jungen europäischen Bankenaufsicht in Frankfurt werden. Die Aufseher in der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die Restrukturierungspläne der Bank Austria (BA) ja noch nicht genehmigt. Sie bezweifeln, dass die Kapitalisierung des Wiener Instituts nach Übersiedlung des Ostgeschäfts (CEE) nach Mailand risikoadäquat ist, und plädieren für die Aufstockung des Eigenkapitals. Einen Bescheid gibt es aber noch nicht.

EZB will Geld umparken

Geld für eine Kapitalspritze gäbe es in der Unicredit-Gruppe, wiewohl sie angeschlagen ist. Denn wie berichtet hortet die HypoVereinsbank (HVB) noch die 12,5 Milliarden Euro, die sie nach dem Verkauf der BA an die Unicredit 2005 bekommen hat. Die deutsche Aufsicht Bafin sorgte dafür, dass das Geld bis dato nicht nach Mailand geschickt wurde. Das könnte sich nun ändern.

Im seit Herbst 2014 geltenden einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) hat nämlich jetzt die EZB bei den 129 großen Banken des Euroraums das Sagen. Die nationalen Aufseher (wie eben Bafin oder Österreichs Finanzmarktaufsicht, FMA) stehen in der zweiten Reihe. In den Aufsichtsteams (Joint Supervisory Team, JST) für die jeweilige Bank sind Vorsitzender plus Stellvertreter sowie vier EZB-Leute und der Chef der nationalen Aufsicht stimmberechtigt; im Fall Österreichs ist es der FMA-Chef. Den endgültigen Beschluss fasst dann der EZB-Rat; er kann JST-Vorschläge aber nicht ändern, sondern ihnen nur zustimmen oder sie ablehnen.

Im BA-Fall ist man in EZB-Aufsichtskreisen zur Ansicht gelangt, dass das Münchner Geld innerhalb des Unicredit-Konzerns "verschoben" werden kann – in Richtung BA. Die Bafin (und jede andere nationale Aufsicht) muss sich in Zeiten des SSM eben der EZB unterordnen – das weiß man auch in der deutschen Aufsichtsbehörde. Etwaiger Widerstand gegen den Kapitalabfluss von München nach Mailand wäre also sinn- und zwecklos. Die EZB gibt zu alledem keinen Kommentar ab.

Zur Erinnerung die Zahlen: Die BA solo hätte nach der geplanten CEE-Abspaltung nur noch 11,63 Prozent hartes Eigenkapital statt bisher 16,25 Prozent. Die CEE-Einheit dafür käme auf eine Quote von satten 23,42 Prozent. Ersteres ist den Aufsehern eben ein Dorn im Auge.

Dass ihre etwaige Genehmigung rechtzeitig kommt und die Abspaltung Ende September im Handelsregister eingetragen wird (und somit rückwirkend ab Jänner 2016 gilt), ist fraglich. Die BA betont allerdings, dass sie ihre Pläne bis Ende 2016 umsetzen werde.

Sollte die Abspaltung samt anschließender grenzüberschreitender Verschmelzung dennoch abgeblasen werden, wird es erst recht schwierig. Dem Vernehmen nach ist es Plan B der Italiener, die Ostbanken gruppenintern zu verkaufen. Dafür braucht es aber umfangreiche und aktuelle Bewertungsgutachten. Den Gruppenumbau würde das bis ins Frühjahr 2017 verschieben, heißt es in BA-Kreisen. Das jetzige Zahlenwerk fußt auf Schlussbilanz per Ende 2015 sowie auf Spaltungs- und Übernahmebilanz per 31. Jänner 2016.

Teure Töchter

In Letzterer stehen die 13 Töchter, die übersiedelt werden sollen, mit einem Betrag von acht Milliarden Euro. Darunter sind auch Geldgräber zu finden. Die Ukrsotsbank etwa steht mit 67 Mio. Euro in der Übernahmebilanz. Das ukrainische Institut, das gerade verkauft wird und auf null abgeschrieben ist, ist eines der großen BA-Sorgenkinder. Allein 2015 pumpte die BA 500 Mio. Dollar ins Eigenkapital der Tochter.

Viel mehr (jenseits der zwei Milliarden) versenkte sie aber in Kasachstan. Den Kauf der ATF-Bank hatten die Italiener 2007 veranlasst, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. 2013 wurde die ATF dann versilbert. (Renate Graber, 14.7.2016)

  • Kein Sonnenschein über der Unicredit und ihrer Tochter Bank Austria: Die Aufsicht will die Abspaltung des Osteuropa-Geschäfts nur bewilligen, wenn konzernintern Eigenkapital umgeschichtet wird.
    foto: reuters/bader

    Kein Sonnenschein über der Unicredit und ihrer Tochter Bank Austria: Die Aufsicht will die Abspaltung des Osteuropa-Geschäfts nur bewilligen, wenn konzernintern Eigenkapital umgeschichtet wird.

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