Euronet-Chef Brown: Bankomatenboss mit Faible fürs Abheben

Kopf des Tages13. Juli 2016, 17:40
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Michael J. Brown verlangt Gebühren fürs Geldabheben

Vom Techniknerd zum Konzernlenker: Euronet-Chef Michael J. Brown lebt den Traum ganzer Generationen von Softwareentwicklern. In Österreich kannte den US-Amerikaner mit dem Allerweltsnamen bis vor drei Tagen trotzdem kaum jemand. Da nämlich wurde bekannt, dass das US-Unternehmen, das hierzulande rund 70 Bankomaten betreibt, Kunden fürs Geldabheben eine Gebühr von 1,95 Euro verrechnet. Auch wenn das nur einen Bruchteil der knapp 9000 Geräte im Land betrifft: Die Aufregung um die Bankomatgebühr hält der digitalisierten Welt ihre Abhängigkeit von elektronischen Zahlungsmitteln vor Augen.

Schon seit Jahrzehnten zeigt Brown jungen Start-ups, die den Banken diesbezüglich ihr Geschäft streitig machen wollen, wie man's macht. Seine erste Softwarefirma gründete er zusammen mit einem Freund unmittelbar nach dem Elektrotechnikstudium. Erst 1994 erblickte dann Euronet das Licht der Welt, Browns Einstieg in die Welt der Finanzdienstleistungen. Den Anstoß gab eine Ungarn-Reise, auf der der heute 59-Jährige das Fehlen von Bankomaten im nachkommunistischen Osteuropa als Marktlücke erkannte.

Anfangs nichts als Verluste, nach zehn Jahren aber profitabel und schnell wachsend: Die Entwicklung des Unternehmens erfüllt Klischees einer Gründer-Erfolgsgeschichte. Heute stehen Euronet-Bankomaten in 17 europäischen und asiatischen Ländern, weltweit beschäftigt der Konzern 4200 Mitarbeiter.

Neben seinen eigenen Unternehmen half Brown anderen als Investor auf die Beine und sitzt in mehreren Vorständen, darunter auch bei einer Regionalbank in seiner Heimat, dem US-Staat Kansas. Auch das hat Symbolkraft, nämlich für das Spannungsfeld zwischen Partnerschaft und Konkurrenz für die Banken, in dem sich Zahlungsdienstleister bewegen. Mit einem Jahresgehalt von rund fünf Millionen Dollar sticht Brown so manchen Bankmanager jedenfalls aus.

In Kansas, sonst bekannt für viel flaches Land, auf dem Weizen und Rinder wachsen, bastelte er schon als Sechsjähriger Schaltkreise und gibt seine Begeisterung heute weiter, beispielsweise indem er ein Technikmuseum maßgeblich mitfinanzierte.

Von Browns Privatleben ist wenig bekannt, außer dass er auch in der Freizeit tüftelt – und selbst abhebt: So ließ er Kameras mit einem Ballon in 40 Kilometer Höhe steigen und brachte sie wieder sicher zu Boden. Wegen der schönen Fotos. (Simon Moser, 13.7.2016)

  • Mit einem Jahresgehalt von rund fünf Millionen Dollar sticht Brown so manchen Bankmanager aus.
    foto: euronet

    Mit einem Jahresgehalt von rund fünf Millionen Dollar sticht Brown so manchen Bankmanager aus.

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