Zensur: Bulgarischer Kulturminister soll zurücktreten

13. Juli 2016, 16:43
posten

Demonstranten werfen Weschdi Raschidow vor, Druck auf Medien auszuüben

Sofia – Bulgariens konservativer Premier Boiko Borissow scheint entschlossen, den Proteststurm gegen seinen langjährigen Kulturminister auszusitzen. Weschdi Raschidow sei ein Freund der Regierungspartei, erklärte Borissows rechte Hand, der frühere Innenminister Tswetan Tswetanow. Demonstranten waren in den vergangenen Tagen dreimal vor das Kulturministerium in Sofia gezogen und verlangten Raschidows Rücktritt. An die 200 Intellektuellen, Kulturschaffende und Journalisten wandten sich mit derselben Forderung in einem offenen Brief an Borissow. Sie werfen dem Minister "unverhüllten Druck" auf die freie Meinungsäußerung vor.

Den Skandal ausgelöst hatte Raschidow (64), ein Bildhauer aus sozialistischen Zeiten, als er vergangene Woche einen TV-Moderator des öffentlichen bulgarischen Fernsehens wegen kritischer Bemerkungen und dessen Auswahl an Studiogästen rügte. In einem offenen Brief an die Direktorin des Senders riet er dem Moderator, aufzuhören, "ständig den Staat zu verspotten, von dessen Budget auch sein Gehalt abhängt". Zwei Mitarbeiter der Nationalgalerie in Sofia wurden zudem entlassen; einer von ihnen ist mittlerweile wieder eingestellt worden.

Irritiert hatten Raschidow auch Vorwürfe der Veruntreuung und Berichte über seinen Sohn, der ein Ferienapartmenthaus in Ellmau in Tirol besitzt. (mab, 14.7.2016)

Share if you care.