Geld anlegen, wo andere Urlaub machen

17. Juli 2016, 08:00
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Zwar ist der Kauf einer Ferienimmobilie eine emotionale Entscheidung. Aber auch als Geldanlage werden die Häuser und Wohnungen attraktiver

Wien – Ein kleines Häuschen am Meer, das man sein Eigen nennen kann, anstatt eines anonymen Hotels: Das klingt besonders zur Urlaubszeit für viele traumhaft. Und laut jenen Immobilienmaklern, die dort arbeiten, wo andere Urlaub machen, werden solche Immobilien auch immer gefragter.

Einer der Hotspots für Zweitwohnsitze ist Mallorca. Der Makler Jürgen Conzelmann, Geschäftsführer von First Class Estate Mallorca, spricht von einem regelrechten Run auf Immobilien: "Derzeit wird nach jedem Happen gegriffen. Und die Leute sind bereit, viel Geld auszugeben."

Das belegen auch die Zahlen: 2015 wechselten auf der Insel Immobilien im Wert von zwei Milliarden Euro den Besitzer. Besonders stark stiegen laut einem Marktbericht des Luxusimmobilienmaklers Engel & Völkers die Transaktionen in der Inselmitte und im Südwesten. Besonders deutschsprachige, aber auch skandinavische und britische Käufer seien am Markt unterwegs. Bei Letzteren ist eine Verunsicherung aufgrund des Brexit bisher kaum spürbar, meint Heidi Stadler, CEO des Maklerbüros First Mallorca: "Bei zehn laufenden Verkäufen an Briten hat es bisher nur einen Kunden gegeben, der den Prozess gestoppt hat."

Wer auf Mallorca eine Immobilie kaufe, der kaufe sich vorrangig Lebensqualität, sagt Stadler: "Was diesen Kunden ausgeht, ist nicht das Geld, sondern die Zeit." Die Entscheidung zum Kauf sei daher vorrangig eine emotionale. Doch auch die Immobilie als Geldanlage spiele eine immer größere Rolle bei den Käufern, sagt Conzelmann. Dafür spreche auch die Preisentwicklung: "Eine Villa mit Meerblick hat vor 20 Jahren noch zwei Millionen D-Mark gekostet. Heute kostet sie mindestens 2,5 Millionen Euro." Das entspricht einer Preissteigerung von 150 Prozent.

Diskrete Vermarktung

Ein entsprechendes Budget ist aber auch bei anderen Wohnformen gefragt: Für Wohnungen liegen die Einstiegspreise laut Conzelmann "in guten Lagen" bei 230.000 Euro. Die Preise für ein Penthouse beginnen bei 500.000 Euro. Und eine schöne Finca unter einer Million Euro ist laut Conzelmann mittlerweile schwierig zu finden. Eine "neue Klasse" an Neubauprojekten bewegt sich laut Heidi Stadler dann schon im zweistelligen Millionenbereich – und wird "diskret vermarktet".

Ein Meerblick ist stets ein besonderer Preistreiber. Er gilt als krisensicher -- und er ist besonders Erstkäufern auf der Insel wichtig, sagt Stadler. Mit dem weitaus günstigeren spanischen Festland sind die Preise auf Mallorca nicht vergleichbar: "Aber die Preise hier muss man auch niemandem erklären", sagt Conzelmann. Denn hier würden eben auch die Infrastruktur und die Anbindung stimmen. Und die meisten Käufer hätten eine besondere Beziehung zur Insel.

Was sie suchen: "Derzeit ist moderner Baustil sehr gefragt", sagt Conzelmann. Auf Protz werde heute verzichtet: "Alles muss dezent, schlicht, aber edel sein."

Die meisten seiner Kunden würden zudem keine Fremdfinanzierung benötigen: "Der größte Teil hat das Geld zur Verfügung", sagt Conzelmann. Nur "höchstens 20 Prozent" der Käufer würden ihre Ferienimmobilie mit dem Hintergedanken kaufen, sie später zu vermieten: "Der Rest möchte das nicht." Auch weil eine Vermietung laut Stadler bei Neubauprojekten nicht wirklich gewinnbringend ist.

Preise steigen weiter

Conzelmann glaubt dabei auch kulturelle Unterschiede zu erkennen: Die meisten seiner Kunden kommen aus dem deutschsprachigen Raum und wollen das Ferienhaus selbst nutzen. "Die Engländer denken über dieses Thema anders. Bei ihnen spielt die Vermietbarkeit sehr wohl eine Rolle bei der Kaufentscheidung", sagt er.

Auch wenn die Preise mancherorts mittlerweile höher als vor der Immobilienkrise sind: Laut Engel & Völkers wird der Aufwärtstrend bei den Preisen anhalten, weil das Angebot knapp bleibt: "Der Kauf einer Ferienimmobilie bleibt daher auch weiterhin ein wertstabiles Investment", ist man sich beim Maklerunternehmen sicher.

Das glaubt auch Stadler: "Der Markt ist nicht wie vor der Krise", sagt sie. "Es gibt heute verschiedene Möglichkeiten für verschiedene Brieftaschen." (Franziska Zoidl, 17.7.2016)

  • Ein Meerblick – nicht nur vom Strand aus – ist nicht nur schön, sondern gilt auch als Wertsicherung.
    foto: ap/butler

    Ein Meerblick – nicht nur vom Strand aus – ist nicht nur schön, sondern gilt auch als Wertsicherung.

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