Das Erbe der Causa Burgtheater

13. Juli 2016, 15:41
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Ein neues System für den Kunst- und Kulturbericht – Kulturförderung wird vergleichbarer

Wien – Manchmal dreht sich das politische Roulette ein wenig gar schnell. So zum Beispiel beim diese Woche vom Bundeskanzleramt veröffentlichten Kunst- und Kulturbericht zum Jahr 2015. In dem Zahlenkonvolut, das detailliert aufschlüsselt, wohin das Kulturbudget des Bundes im letzten Jahr geflossen ist, finden sich Fotos von gleich zwei Ministern.

Im Mai musste Josef Ostermayer (SPÖ) im Zuge der Regierungsumbildung seinem Parteikollegen Thomas Drozda Platz machen. Kaum im Amt, schrieb dieser nun das Vorwort zum völlig neu gestalteten Kunst- und Kulturbericht seines Vorgängers.

Gemeinsamer Bericht

Erstmals sind die in Kultur- (Bundesmuseen, Bundestheater, Denkmalschutz, Kunstrückgabe) und Kunstbereiche (Förderungen, Preise) unterteilten Angelegenheiten des Ministeriums in einem einzigen Bericht aufgeschlüsselt. Die bisher getrennten Berichte kamen zusammen im Vorjahr auf über 600 Seiten. Nun hat man sie auf eine gut 450 Seiten lange Zusammenschau eingedampft.

Hintergrund der Änderung ist im Kern das Finanzdebakel am Burgtheater. Auf die Krise reagierend, hatte Ostermayer vor einem Jahr die beiden Sektionen II (Kunst) und VI (Kultur und damit fürs Burgtheater zuständig) zu einer neuen Sektion II (Kunst und Kultur) fusioniert. Der neue Bericht trägt dieser Umstrukturierung Rechnung.

Bessere Vergleichbarkeit

Neu ist auch die Systematik, nach der die Ausgaben des Bundes gezählt werden. Die sogenannte LIKUS-Methode (Länderinitiative Kulturstatistik), in den 1990er-Jahren von der Musikuni für die Bundesländer entwickelt, erlaubt eine bessere Vergleichbarkeit zwischen den Fördergebern.

Hierbei wird jeder Geldfluss einem von 17 festgelegten Sachgebieten (Literatur, Musik, Film, bildende Kunst etc.) zugeordnet. Auch von der Statistik Austria wird das System verwendet.

Insgesamt gab der Bund 2015 laut dem Bericht rund 410 Mio. Euro für Kultur aus, 15 weniger als im Vorjahr. Begründet wird dies mit baulichen Sonderinvestitionen, die 2014 u. a. für das Naturhistorische Museum und das neue Literaturmuseum der ÖNB anfielen. (Stefan Weiss, 13.7.2016)

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