Enns: Archäologen legen riesige römische Kalkbrennanlage frei

13. Juli 2016, 14:10
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Einer der Brennöfen war als antike Mülldeponie benutzt worden und enthält jede Menge Kostbarkeiten

Enns – Was Archäologen derzeit in Enns freilegen, dürfte die bisher größte bekannte Kalkbrennanlage in den Rhein-Donau-Provinzen des Römischen Reiches gewesen sein. Sie war Voraussetzung für die rege Bautätigkeit der Römer, als diese an der Wende vom 2. zum 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung Militär in Enns stationierten.

foto: apa/oö landesmuseum/robert koch
Blick auf die Ausgrabungsstätte.

Die Kalkbrennerei der Römer war die Voraussetzung für ihre bis heute gerühmte Baukultur. Ohne Kalk wäre die Gussmörteltechnik nicht möglich gewesen, mit der unter anderem das Pantheon, die Kaiserthermen, Aquädukte und Hafenanlagen errichtet wurden. Ohne sie gäbe es auch keine Estrichböden oder Fresken auf Wandputz.

Bei der Ennser Anlage handelt es sich um eine Batterie von insgesamt zwölf Brennöfen. Erste Spuren davon fanden sich bereits 2008 bei einem Straßenbau. Seit April diesen Jahres führen dort Archäologen eine Ausgrabung durch und legten einen der Öfen mit einer Höhe von über vier Metern und einem Durchmesser von 3,8 Metern frei. "Es handelt sich zweifellos um einen der besterhaltenen römischen Kalkbrennöfen überhaupt", lautet ihr Befund.

Extraüberraschung

Damit nicht genug weist die Entdeckung noch eine Besonderheit auf: In der Spätantike – vermutlich im Laufe des 4. Jahrhunderts – wurde der Ofen nur noch als "Mülleimer" verwendet. So konnten daraus mehrere tausend Fundobjekte geborgen werden. Darunter sind nicht nur Ziegel und einige Metallobjekte wie Münzen und diverse Keramik, sondern auch Knochenteile von Rindern, Pferden beziehungsweise Maultieren, Ziegen und Schafen sowie von einem Hund.

foto: apa/oö landesmuseum
Lag im Müll: ein Bruchstück einer Herkules-Statuette.

Besonders jubeln die Ausgräber aber über die Fragmente von zwei Herkules-Statuetten sowie einen vollständigen Weihealtar. Die Steindenkmäler hätten vermutlich im Ofen zu Kalk gebrannt werden sollen, doch dazu ist es nicht mehr gekommen. Deswegen hat das Ausgrabungsprojekt auch den Titel "Hercules im Kalkbrennofen" bekommen.

Teil der Landesausstellung 2018

In einer gemeinsamen Pressekonferenz von Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) als Kulturreferent, dem Ennser Bürgermeister Franz Stefan Karlinger (SPÖ), sowie Stefan Traxler vom Landesmuseum und Felix Lang von der Universität Salzburg als mit der Ausgrabung befasstem Wissenschafter wurde der Fund am Mittwoch in Enns präsentiert.

foto: apa/oö landesmuseum
Forscher legen einen Herkules geweihten Altar frei.

Die Anlage soll 2018 einen der Höhepunkte auf der OÖ. Landesausstellung bilden, die den Arbeitstitel "Die Römer am Donaulimes in Oberösterreich" trägt. Im Zentrum steht dabei Enns/Lauriacum, wo die Zweite Italische Legion stationiert war – der größte militärische Stützpunkt der Provinz Noricum – und sich auch eine große Zivilsiedlung mit geschätzten 20.000 Einwohnern befand: deutlich mehr, als das heutige Enns hat. (APA, red, 13. 7. 2016)

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