EU-Kommission erklärt Waschbär und Grauhörnchen für unerwünscht

13. Juli 2016, 13:06
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Haltung, Import, Verkauf und Zucht sind künftig verboten, auch in Zoos

Brüssel – Die EU-Kommission hat Bioninvasoren den Kampf angesagt: Sie verabschiedete am Mittwoch eine Liste von vorläufig 37 Tier- und Pflanzenarten, die eigentlich auf anderen Kontinenten zu Hause sind und auf europäischem Boden zurückgedrängt werden sollen, weil sie sich als besonders schädlich für die heimische Flora und Fauna erwiesen haben.

Wir dürfen nicht hinein

Auf der Liste stehen als prominenteste Beispiele der Waschbär und das Grauhörnchen, der robuste nordamerikanische Vetter des europäischen Eichhörnchens, der seinen hiesigen Verwandten vor allem auf den britischen Inseln zunehmend verdrängt. Ebenfalls unerwünscht sind unter anderem der Kleine Mungo, die Chinesische Wollhandkrabbe, die aus Südasien stammende Glanzkrähe, das ostasiatische Pallashörnchen und ein Verwandter unseres Waldrapps, der in Afrika beheimatete Heilige Ibis.

Und auch eine Reihe von Pflanzenarten hat der Bannstrahl der Kommission getroffen: Etwa die als Aquarienpflanze beliebte Karolina-Haarnixe, die Dickstielige Wasserhyazinthe, die in atemberaubendem Tempo Gewässer überwuchern kann, oder um den besten Namen wetteifernde Spezies wie Amerikanischer Stinktierkohl und Hahnenfußähnlicher Wassernabel.

Keine Auslöschungsprogramme, aber Zuchtverbot

Die Regelung bedeutet nicht, dass die EU-Mitgliedsstaaten mit allen Mitteln versuchen müssen, bereits etablierte Populationen auszulöschen – beispielsweise Waschbären in Mitteleuropa. Der Umgang mit solchen Populationen bleibt den einzelnen Staaten überlassen. Die Kommission will aber gewährleistet sehen, dass sich Bioninvasoren von ihren bereits bestehenden "Brückenköpfen" nicht auch in andere Mitgliedsstaaten ausbreiten.

Für Tierhalter inklusive Zoos hat dies Auswirkungen: Haltung, Import, Verkauf und Zucht der Arten auf dieser Liste sind damit verboten. Tiergärten dürfen ihre Tiere "bis zum Ende von deren natürlicher Lebensspanne" behalten, müssen aber dafür sorgen, dass sie sich nicht fortpflanzen oder ausbrechen. Wollen Zoos auch in Zukunft beispielsweise Waschbären zeigen, müssen sie auf frisch eingefangene Exemplare zurückgreifen. (red, APA, 13. 7. 2016)

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