François Hollande, der zerzauste Präsident

13. Juli 2016, 17:37
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Der Wirtschaftsminister und ein Friseur trüben die Freude des Staatschefs auf den Nationalfeiertag

Auch das noch: Das Wochenblatt Le Canard Enchaîné enthüllte am Mittwoch, dass der persönliche Friseur des französischen Präsidenten einen Monatslohn von 9895 Euro brutto bezieht. Die Internetforen reagierten umso belustigter, als Regierungssprecher Stéphane Le Foll das fürstliche Salär damit zu rechtfertigen suchte, der private Haarschneider müsse dem Staatschef rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Zum heutigen Nationalfeiertag wird François Hollande, der selber das Image eines "Monsieur normal" zelebriert hatte, den entsprechenden Journalistenfragen nicht entgehen. Dabei wollte er bei dem traditionellen TV-Interview die Früchte der Fußball-EM ernten, die für Frankreich sportlich wie sicherheitsmäßig eher erfolgreich ausgegangen ist. Ziel des präsidialen Storytellings wäre es gewesen, die Landsleute mit einer positiven Note in die großen Sommerferien zu entlassen, um danach mit frischem Elan in den Präsidentschaftswahlkampf zu starten.

Der Friseur des französischen Präsidenten François Hollande erhält einem Medienbericht zufolge 9.895 Euro Gehalt pro Monat. Die französische Satire- und Enthüllungszeitung "Le Canard Enchaine" berief sich auf den Arbeitsvertrag des Mannes und veröffentlichte einen Auszug.

Hollandes schärfster Widersacher im eigenen Lager, Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, wartete aber den präsidialen Auftritt nicht ab: Schon Dienstagabend organisierte der 38-jährige Ex-Banker einen De-facto-Wahlkampfauftritt. Auch wenn er seine Kandidatur noch nicht offen erklärte, verhehlte er nicht, dass er "bis 2017 und bis zum Sieg" antreten wolle – wobei die Zahl gleichbedeutend ist mit den Präsidentschaftswahlen in zehn Monaten. Mehrere tausend Zuhörer skandierten immer wieder "Macron président!".

Angriff auf die eigenen Chefs

Der mehr als eine Stunde frei sprechende Jungminister scheute nicht davor zurück, jene beiden Vorgesetzten anzugreifen, denen er seine Politkarriere verdankt – Hollande und Premierminister Manuel Valls. Frankreich sei "von nicht gehaltenen Wahlversprechen erschöpft" donnerte er. Valls unterstellte Macron populistische Allüren: "Man kann nicht ein angebliches System anprangern und den Sirenen des Populismus erliegen, wenn man selbst das hochgekommene Produkt der republikanischen Elite ist."

Hollande wird sich heute, Donnerstag, also nicht nur zu seinem Friseur, sondern auch zur Causa Macron äußern müssen. Bisher hatte er sich dazu bedeckt gehalten. Denn eigentlich war der Präsident gar nicht so unglücklich darüber, dass zu seiner Rechten ein sozialliberaler Gefolgsmann antrat. Auf diese Weise konnte Hollande sich selbst als Einiger zwischen den Fronten präsentieren und den Vorwurf der Parteilinken parieren, er drifte mit seiner Antiterrorpolitik und der Arbeitsmarktreform nach rechts ab.

Nun wird ihm aber Macron tatsächlich gefährlich. Im Parti Socialiste kommt er laut einer neuen Umfrage auf fast gleich hohe Sympathiewerte wie Hollande oder Exministerin Martine Aubry – was die geplante "Primärwahl" zu einem Vabanquespiel für den Präsidenten macht. Außerhalb der Partei – das heißt: in allen Präsidentschaftsumfragen – ist Macron ohnehin immer viel populärer als Hollande.

Warten auf die Chance

Pariser Medien meinen, der Präsident müsse seinen aufmüpfigen Wirtschaftsminister schleunigst entlassen. Doch darauf wartet Macron nur: Auf diese Weise wäre er frei von Loyalitätsverpflichtungen und könnte sich als chancenreichster Kandidat der Linken in den Wahlkampf stürzen.

Hollande muss sich derweil weiter mit seiner Arbeitsreform herumschlagen. Noch in diesem Monat wird er vermutlich erneut die harte Tour fahren müssen, um das – bereits weitgehend zahnlose – Projekt per Ausnahmedekret in Kraft zu setzen. Diese Umgehung der Nationalversammlung würde die Parteilinke noch mehr gegen ihren Präsidenten aufbringen. Aus Protest dagegen ist am Dienstag ein weiterer sozialistischer Abgeordneter, Patrice Prat, aus Partei und Fraktion ausgetreten. (Stefan Brändle aus Paris, 13.7.2016)

  • Stilbewusst: François Hollande nach seinem Auftritt bei der UN-Generalversammlung in New York.
    foto: reuters/eduardo munoz

    Stilbewusst: François Hollande nach seinem Auftritt bei der UN-Generalversammlung in New York.

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