Körpertrend "Ab-Crack": Bauchspalte statt Sixpack

13. Juli 2016, 14:31
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In den sozialen Netzwerken wird einem neuen Körperideal gehuldigt – jetzt wird eine Spalte in der Bauchmitte angestrebt

Stark zu sein sei das neue sexy, schallt es seit einiger Zeit durch die sozialen Netzwerke. Klar ist: Der Körper wird heute zum Vorzeigen modelliert und dann auf Instagram mit den passenden Hashtags versehen.

Während in den letzten Jahren dem dünnen Ideal gehuldigt wurde, hat sich mittlerweile der Wind gedreht. Statt Hungern heißt es Schwitzen. Der sichtbar fitte Körper wird anvisiert. Zum Glück. Zuvor hatte die Thigh Gap die Lücke zwischen den Beinen und die Bikini-Bridge die hervorstehenden Beckenknochen gefeiert. Eine Zeitlang galt die Breite eines DIN-A4-Papiers als Richtschnur für die Breite der weiblichen Hüfte.

Jetzt geht es in den sozialen Netzwerken um die "Ab-Crack". Was das sein soll? Bei der "Ab-Crack" handelt es sich um die "Linea Alba", einen senkrecht verlaufenden Muskelstrang. Er tritt dann als Schatten oder gar Vertiefung in Erscheinung, wenn der Körperfettanteil besonders gering ist. Die "Ab-Crack" gilt vor allem bei fitnessbegeisterten Frauen derzeit als das Nonplusultra.

Weekend ready wearing my new fav 👙 @amoreandsorvete

Ein von Emily Ratajkowski (@emrata) gepostetes Foto am

"Eigentlich hat die gerade Bauchmuskulatur jeder, wir trainieren sie mit jeder Bewegung im Alltag", erklärt Robert Fritz, Sportmediziner und Mitglied im Team der Wiener Sportordination. Die "Linea Alba" werde als Muskel bei Männern allerdings erst ab zehn bis zwölf Prozent Körperfettanteil sichtbar, bei Frauen bei rund 20 Prozent. Damit sei man noch nicht im krankhaften Bereich angekommen, bewege sich aber am unteren Rand der Empfehlungen: Bei Männern liegt ein "guter Körperfettanteil" bei zehn bis 20 Prozent, bei Frauen mit 20 bis 30 Prozent etwas höher, meint Fritz.

Neben dem Körperfettanteil sind für die Sichtbarkeit der "Ab-Crack" das Körpergewicht und Training entscheidend. Medizinisch sei das das einseitige Trainieren des geraden Anteils der Bauchmuskulatur nicht zu empfehlen, meint der Sportmediziner: "Man sollte sich eher auch um die unteren und die schrägen Anteile kümmern." So wie beim Six- oder Eightpack, für den alle Teile des Bauchs trainiert werden. Auf ihn arbeiten allerdings nach wie vor die Männer hin.

Überhaupt bleibt die Frage, inwieweit sich das Netzphänomen in den Fitnessstudios durchsetzen wird. Sportmediziner Fritz hat das Phänomen "Ab-Crack" vor allem über Facebook mitbekommen. "Kein einziger Patient hat mich bislang darauf angesprochen." (feld, 13.7.2016)


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