Pro & Kontra: Zur Schwiegermutter "Mama" sagen

14. Juli 2016, 15:17
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Den Tiger streicheln oder nicht

foto: imago / united archives

Pro
von Sigi Lützow

Wer der Schwiegermutter schmeichelt, krault einen Tiger, sagen die Malaien. Und weil derlei Weisheiten immer einen wahren Kern haben, ist mitgeheirateten Müttern stets mit großem Respekt und einiger Vorsicht zu begegnen.

Ist die Schwiegermutter zum Beispiel im gleichen Alter – wenn der Schwiegersohn, die Schwiegertochter sich mit etwas deutlich Jüngerem schmückt – wirkt die Anrede Mama sicher nicht ideal gewählt, geht aber im Notfall durch, etwa wenn der Vorname entfallen, das Sie aber schon längst aus der Welt geschafft ist. Unmöglich ist das "Mama" natürlich bei besonders krassen (Altersge-)Fällen. Man denke nur an Richard Lugner (83), seine Cathy (26) und deren Mutter namens Schmitz!

Ist man mit der Schwiegermutter ohnehin auf Du und Du, ist das "Mama" kein Problem, zumal ganz und gar nicht falsch. Ist sie ja, die Gute! Und spätestens, wenn sich die Eheleute untereinander mit Mama und Papa anreden, kann man dem Schwiegertiger das "Mama" unmöglich vorenthalten – auch wenn er dann eigentlich mit Oma anzureden wäre. Gefährlich, gefährlich! Sagen die Malaien.

Kontra
von Gudrun Springer

Tiger streichelt man nicht, besagt ein chinesisches Sprichwort. Nun ja, man kann sich denken, wieso. Sorgen vor Zerfleischung sind hier aber völlig fehl am Platz: Schwiegermütter haben zu Unrecht diesen klischeehaft schlechten Ruf. Man kann mit ihnen bestens auskommen. Doch Vorsicht ist gerade dann geboten! Denn je vertrauter Schwiegermutter und -kind einander werden, desto größer werden die Versuchung und der vermeintliche Erwartungsdruck, sie Mama zu nennen.

Man nehme an, es kommt so weit. Was, wenn das die "echte" mitbekommt? Familienfrieden ist ein zartes Pflänzchen. Mamas haben in der Regel von Natur aus ein riesengroßes Herz, sind nachsichtig und lieb und würden sich bestimmt bemühen, die Kränkung zu verbergen.

Warum jedoch die Mama kränken, um der Schwiegermutter zu schmeicheln? Sie durchlitt die durchplärrten Nächte, pflasterte die Knie zu, ertrug stoisch Türenknallen und erste Liebeskummerkrokodilstränen. Ihr gehören diese zwei Silben. Wird sie zur Oma, muss sie dann sowieso teilen. (RONDO, 15.7.2016)

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