FACC war erneut Ziel einer Cyberattacke

13. Juli 2016, 08:10
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Der neuerliche Versuch im Juni scheiterte dank geschärfter Sensibilisierung nach dem Geschäftsführer-Trickbetrug

Wien / Ried im Innkreis – Der oberösterreichische Flugzeugzulieferer FACC ist im Juni erneut Ziel einer Cyberattacke geworden. Diesmal wurde sie aber abgewehrt. "Es gab einen Versuch, die FACC wieder zu penetrieren", sagte der interimistische Vorstandschef Robert Machtlinger am Mittwoch bei der Präsentation der Quartalszahlen.

Im Jänner war das Unternehmen Opfer eines "Fake President Fraud" (Geschäftsführer-Trickbetrugs) geworden. Im Namen des CEO wurde verlangt, mehr als 50 Millionen Euro für ein angebliches Geschäft zu überweisen. Dem wurde Folge geleistet. Vier Monate später musste dann der Unternehmensgründer und langjährige Chef Walter Stephan überraschend seinen Sessel räumen. Er hat bereits Klage gegen seine Entlassung eingereicht.

Nun habe es eine weitere "E-Mail unter Vorgabe falscher Tatsachen" gegeben. "Der Fall war ähnlich gelagert, mit einem Versuch, eine Beziehung aufzubauen – man wollte versuchen, Kontakt zu knüpfen", berichtete Machtlinger. Nach den Vorfällen der vergangenen Monate war die Sensibilisierung im Unternehmen allerdings geschärft genug, um nicht darauf einzusteigen. Auch zwei bis drei Monate vor dem tatsächlichen Betrugsfall heuer im Jänner habe es bereits einen Versuch gegeben.

"In dieser nicht ganz leichten Zeit seit dem Jänner haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten an der Schadensbegrenzung bzw. Rückholung der Gelder gearbeitet", berichtete Machtlinger. Derzeit habe die FACC Mittel in Höhe von 10,8 Millionen Euro auf Konten geblockt. "Wir arbeiten nachhaltig und intensiv an der Rückholung der Accounts."

Der Großteil des Schadens, 42 Millionen Euro, wurde bereits in der Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres 2015/16 als Aufwand negativ verbucht. Der operative Verlust verfünffachte sich dadurch gegenüber dem Jahr davor von 4,5 auf 23,4 Millionen Euro. "Ohne 'Fraud' war die FACC auf einem guten Weg", so der Zwischen-Chef.

Streit mit Versicherern

Für die 42 Millionen Euro habe die FACC einen Versicherungsschutz. Um das Geld wird noch gestritten: "Hier wird derzeit mit den Versicherern verhandelt und diskutiert", sagte Machtlinger. "Wir sind bemüht, eine außergerichtliche Regelung zu finden." Das Ergebnis dieser Verhandlungen "könnte sich in Zukunft positiv im Ergebnis widerspiegeln". Das werde allerdings "nicht vor dem vierten Quartal, möglicherweise auch erst im Geschäftsjahr 2017/18" sein.

Der Rauswurf des Firmengründers und Chefs Stephan "war eine Entscheidung der Shareholder", so Machtlinger, der eigenen Angaben zufolge in der FACC 20 Jahre lang an der Seite Stephans tätig war. Die Rolle der chinesischen Mehrheitseigentümer "ist nach wie vor die der Investorenrolle", sagte der Interimschef. Der Abberufung Stephans sei eine sehr lange Diskussion vorausgegangen, die mehrere Stunden gedauert habe. Die aktuelle Position der Führungsmannschaft: "Das Management selber hat sich seinen Aufgaben zu widmen und der Weg geht eindeutig nach vorne – die Thematik Walter Stephan wird einer Lösung zugeführt, die Klage ist eingereicht", so Machtlinger.

"Ohne Herrn Walter Stephan gäbe es das Unternehmen wahrscheinlich gar nicht – was da geschaffen worden ist, ist einzigartig", betonte der Vorstandsvorsitzende. "Wenn eine Karriere so endet, ist das menschlich eine Tragödie." Das Unternehmen sei aber in den vergangenen Jahren auf einem Weg gewesen, "der den Erwartungen des Marktes nicht entsprochen hat", setzte Machtlinger unter Bezugnahme auf die Ergebnis- und Aktienkursentwicklung nach. "Das eine ist das Wachstum und das andere das Ergebnis dahinter", meinte er. (APA, 13.7.2016)

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