Black Sabbath, Metallica, AC/DC: Wie Metal die Mode anmacht

Kolumne14. Juli 2016, 07:00
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Heavy Metal ist nicht tot. Die Modewelt wirft jetzt mit AC/DC-Schriftzügen und Metallica-Zitaten um sich

Man könnte meinen, die Mode sei klüger als der deutsche CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg. Er streifte während seiner ministerialen Amtszeit im Bierzelt ein AC/DC-Shirt über sein weißes Hemd. Sieben Jahre ist dieser peinliche Versuch, sich den knallharten Typen anzubiedern, her. Jetzt kommt es aber noch dicker. Die Modewelt ist auf den Geschmack von zackigen Metal-Schriftzügen und des rauen Images der harten Männer gekommen.

Wann das Ganze seinen Anfang nahm? Vielleicht schon 2012, als bei Balenciaga die ersten Sweater mit Iron-Maiden-Zitaten auftauchten. Vielleicht aber auch vor einem Jahr, als Kim Kardashian in einem raren Metallica-Shirt von 1982 auftauchte. Oder Lady Gaga mit ihrem Iron-Maiden-Shirt der Band huldigte, die irgendwann einmal ihr "Leben verändert" haben soll. Zuvor hatte H&M T-Shirts mit Metallica- und Slayer-Schriftzug auf den Markt geworfen. Sie kosteten einen Bruchteil der echten Merchandise-Ware.

Doch dem nicht genug. Kanye West, der gerne Vetements-Sweater mit metallenem Schriftzug (der an das Logo der norwegischen Metal-Band Immortal angelehnt ist) trägt, übersetzte das Metallica-Logo auf seine "Yeezus"-Baseballcap. Justin Bieber wirft sich privat gern Metallica-Shirts über und hängt mit Bandmitgliedern von Anthrax herum. Das alles hatte Konsequenzen. Seine Merchandise-Shirts wurden Anfang des Jahres im Stil von Metal-Logos gestaltet. Sie werden jetzt von 13-jährigen Bieber-Fans, die nicht wissen, was sie da tun, getragen.

foto: ap/thibault camus
Kanye West in einem Sweater von Vetements

Es folgte die Modewelt: Bei Gucci zierte ein AC/DC-Schriftzug ein Kleid, dessen rosafarbene Puffärmel von den AC/DC-Bandshirts eine halbe Erdumdrehung weit entfernt sind. In der Mode aber gilt eine solche Kombination als edgy Stilbruch: Das "T"-Magazin der "New York Times" hob die Rückansicht des Kleides vor ein paar Monaten gleich einmal aufs Cover.

Kaum zu glauben: Gucci huldigt AC/DC.

Den aktuellsten Metal-Streich hat Justin O'Shea zu verantworten. Der Mann, der dem italienischen Anzugspezialisten Brioni eine neue Identität verleihen soll, ließ die vier Metallica-Bandmitglieder Kirk Hammett, Lars Ulrich, James Hetfield und Robert Trujillo für seine Kampagne modeln.

foto: brioni
Brioni-Kampagne mit Bandmitgliedern von Metallica.

Gegenüber den gezähmten Typen in feinem Zwirn sieht die Black-Sabbath-Kollektion des New Yorker Labels Supreme schon fast alt aus.

Supreme®/Black Sabbath©

Ein von Supreme (@supremenewyork) gepostetes Foto am

Kooperation von Supreme mit Black Sabbath.

Aber wer weiß. Vielleicht braucht Karl-Theodor zu Guttenberg ja irgendwann wieder ein Gewand, mit dem er Schlagzeilen machen kann. Fragt sich nur, ob er 2016 damit noch auffallen würde. (Anne Feldkamp, 14.7.2016)

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