Kommen und Gehen, um zu bestehen

13. Juli 2016, 10:22
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St. Pölten bereitet sich nach 22-jähriger Abwesenheit auf das Comeback im Oberhausfußball vor. Trainer Karl Daxbacher zählt dabei vor allem auf Verstärkungen aus den Niederlanden. Sportdirektor Frenkie Schinkels sei Dank

St. Pölten – Im Trainingsanzug blickt Karl Daxbacher auf die kommenden Aufgaben. Und die sind zum Auftakt der angehenden Ligasaison nicht ohne, heißen Austria Wien, Admira Wacker und Red Bull Salzburg. Eingewöhnungsphasen sehen anders aus. Der 63-jährige Trainer des SKN St. Pölten gerät ob der kniffligen Auslosung nicht in Panik: "Vielleicht sind gerade in der Anfangseuphorie einige Punkte möglich, man muss ohnehin gegen jede Mannschaft spielen."

Wenn die Austria am 24. Juli in der NV Arena gastiert, rechnet Daxbacher mit einem ausverkauften Haus, also 8.000 Zusehern. Das Comeback der niederösterreichischen Landeshauptstadt im Oberhaus soll angemessen zelebriert werden. 1994 war der Vorgängerverein VSE St. Pölten nach fünf Jahren in der Bundesliga abgestiegen. Auf dem Voithplatz waren namhafte Kicker wie Antonin Panenka, Ivica Vastic und Mario Kempes zu bestaunen. Frenkie Schinkels, nunmehriger Sportdirektor des SKN, absolvierte knapp hundert Spiele für den VSE.

Wer um einen Schinkels in seinem Verein weiß, pflegt gute Kontakte in die Niederlande. So lesen sich auch die sommerlichen Transferaktivitäten. Mit dem 21-jährigen Rechtsaußen Jeroen Lumu, dem 26-jährigen Innenverteidiger Kai Heerings und dem 22-jährigen Stürmer Kevin Luckassen wurden gleich drei Niederländer nach St. Pölten gelotst. "Lumu", sagt Daxbacher, "hat Potenzial. Er galt in seiner Heimat als vielversprechendes Talent, der große Durchbruch blieb ihm verwehrt." Heerings sei wiederum ein solider Linksfuß. Und Luckassen bewährte sich zuletzt in der tschechischen Liga bei Slovan Liberec mit sieben Treffern.

Harte Entscheidungen

Auch auf dem heimischen Markt wurde der SKN fündig. Der 25-jährige Linksaußen Christopher Drazan kommt ablösefrei vom LASK, Mittelfeldmann Daniel Schütz ließ Grödig hinter sich. Mit Drazan hat Daxbacher bereits in Linz gearbeitet: "Auf dieser Position gibt es nicht viele." Über jeder Verpflichtung stehe aber trotz Testspielen und Leistungsdaten ein kleines Fragezeichen: "Letztendlich gibt nur die Meisterschaft Aufschluss darüber, ob uns ein Zugang tatsächlich helfen kann."

Wo Spieler kommen, müssen Spieler gehen, Spieler, die durchaus ihren Beitrag zum Aufstieg geleistet haben. "Wir denken, dass die zweite Liga ihre Leistungsgrenze darstellt", sagt Daxbacher, wohlwissend, dass es sich um unangenehme Entscheidungen handelt. "Die Spieler schätzen sich oft anders ein. Wir müssen aber nach dem Leistungsprinzip agieren, der Mannschaftserfolg steht an oberster Stelle." Nachsatz mit Zweifel: "Ob meine Beurteilung richtig ist, ist eine andere Frage."

Die Testspiele jedenfalls stimmen Daxbacher optimistisch. Ein 3:2 gegen Ujpest Budapest und ein 3:0 gegen den FC Györ hätte man nur vor der Europameisterschaft belächelt. "Die Ungarn sind schon Gradmesser. Unser oberstes Ziel bleibt der Klassenerhalt, auch wenn in einer Liga mit zehn Vereinen nach oben einiges möglich ist. Die Spieler bringen Selbstbewusstsein mit, einige haben schon Bundesliga gespielt."

Die breite Brust soll auf dem Spielfeld zu spüren sein. "Wir wollen offensiv etwas bewegen", nicht zuletzt, um das Heimpublikum bei der Stange zu halten. "Ein Schnitt von 5.000 Zusehern wäre toll. Am Anfang wird die Unterstützung ohnehin da sein, auf lange Sicht muss man zeigen, dass man die Großen schlagen kann."

Ein guter Anfang wäre ein Sieg gegen die Austria, jenen Verein, bei dem Daxbacher 21 Jahre verbrachte. "Die Austria ist mein Lebensklub. Aber im Moment zählt nur St. Pölten." Und wenn es in den ersten Wochen für den Aufsteiger schieflaufen sollte? "Dann darf man auch nicht resignieren. Eine Saison dauert sehr lang." (Philip Bauer, 13.7.2016)

  • Den feinen Zwirn lässt Karl Daxbacher lieber im Schrank hängen. An der Seitenoutlinie bevorzugt der Trainer des SKN St. Pölten traditionell den legeren Trainingsanzug.
    foto: apa/georg hochmuth

    Den feinen Zwirn lässt Karl Daxbacher lieber im Schrank hängen. An der Seitenoutlinie bevorzugt der Trainer des SKN St. Pölten traditionell den legeren Trainingsanzug.

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