Flora & Fauma: Warum ein Garten Wasserinseln braucht

Kolumne19. Juli 2016, 16:18
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Wer im Garten Flächen für Wildblumen oder Wasserpflanzen reserviert, spart sich Arbeit bei der Pflege und beim Mähen, weiß Gregor Fauma

Im Grunde war das alles nicht so geplant. Aber was soll man machen, wenn einen die Bowle-schwangere Gärtnerin nach einem hochsommerlichen Grillabend in die nächstgelegene Karaokebar schleift und dort laut fordert: "Scusami – von Pietro Cornelio!" Serviert bekam sie dann eh nur "Reif für die Insel" von Peter Cornelius.

Um nicht für immer als behäbiger Kauz zu gelten, machte der gartelnde Nachbar gute Miene zu dem für ihn schrecklichen Spiel und brummte stets zum rechten Zeitpunkt "reif reif reif ... für die Insel". Über den Rest der Nacht schweigen seither selbst die Nachtkerzen.

Wie auch immer, am Tag darauf begann ein selig lächelnder Gartler, seinen Ohrwurm in die Tat umzusetzen: Er baute Inseln, denn für die war er ja schließlich reif. Die erste Insel in seinem Garten sollte eine Wasserinsel sein. Da überall sonst Land war, träfe die Bezeichnung zu, meinte er.

Froschbiss und Wasserlinse

Zuerst füllte der Gärtner einen steinernen Trog mit Wasser an. Groß wie der Deckel einer Regentonne, bot der so entstandene Miniteich genug Fläche, um sich bei der Bepflanzung ein wenig austoben zu können.

Der Gärtner besorgte sich umgehend nicht allzu wuchernde Wasser- und Wasserrandpflanzen. Froschbiss, Zyperngras-Segge, Wasserminze, Wasserlinsen und eine hübsche japanische Sumpfschwertlilie wurden flugs eingesetzt. Zuletzt gesellten sich noch Brunnenkresse und eine Sumpfdotterblume hinzu – und fertig war seine kleine Wasserinsel.

Diese Wasserinsel wurde tatsächlich zu einem Sehnsuchtsort, denn stets bleibt der Blick an ihr hängen, verweilt und findet dort Erholung. Diese finden auch erste Molche und Frösche, natürlich ebenso Gelsenlarven und Wasserzikaden. Und wenn sich die Amseln darin baden, beschleicht den Gartler das wohlige Gefühl, etwas richtig gemacht zu haben.

Das blühende Leben

Richtig war es auch, nach dem besagten Abend weitere Inseln zu bauen, für die er so und so längst überreif war, nämlich Wildblumenwiesen-Inseln. Für eine komplette Wildblumenwiese hat der Gartler zu wenig Fläche, aber für ein paar Inseln voll blühenden Lebens hat jeder Platz. Wildblumenwiesen brauchen trockenen und nährstoffarmen Boden. Bekommen sie dort auch noch Hitze serviert, können sie sich entfalten.

Entscheidend für das Gelingen ist die Qualität des Saatguts und das Nichtdüngen der Umgebung der Wildblumeninsel. Diese brauchen ein paar Jahre, bis sie richtig angewachsen sind, dann aber sind sie recht stabil. Mit Ausnahme einer ein- bis zweimaligen Mahd bedeutet das für den Gärtner keinen weiteren Aufwand. Man kann also wieder die nächste Karaokebar aufsuchen – mal sehen, was das demnächst für eigenen Garten bedeutet. (Gregor Fauma, RONDO, 15.7.2016)

Tipp zur Wildblumeninsel:

Solche Inseln werden selten, im Extremfall gar nicht gemäht. Wichtig ist, dass die Pflanzen Zeit zum Aussamen bekommen. Abgemäht wird nur fleckenweise, damit die Tiere im verbleibenden Wiesenstück Schutz finden. Je nährstoffärmer der Boden ist, umso bunter blüht die Wiese.

  • Wasserinseln und Wildblumeninseln sind wahre Arbeitssparer im Garten.
    illustration: dennis eriksson

    Wasserinseln und Wildblumeninseln sind wahre Arbeitssparer im Garten.

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