In Österreich wurden im Vorjahr weniger Organe transplantiert

12. Juli 2016, 13:47
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Im aktuellen Transplantationsbericht wird eine deutliche Kluft zwischen gemeldeten Spendern und verwendeten Organen registriert

Wien – Die Zahl der Organtransplantationen ist in Österreich im vergangenen Jahr leicht gesunken. Während die Zahl der gemeldeten Spender im Vergleich zu 2014 um 4,1 Prozent stieg, reduzierte sich die Zahl der tatsächlichen Organspenden um 5,8 Prozent. International ist Österreich aber weiterhin im Spitzenfeld. Das zeigt der "Transplant-Jahresbericht 2015" des Österreichischen Bundesinstitus für Gesundheitswesen.

2015 wurden in Österreich 787 Organtransplantationen durchgeführt, 720 mit Organen von Verstorbenen, 67 stammten von Lebendspendern. Im Vergleich zum Jahr 2014 war eine leichte Abnahme bei der Transplantation mit Organen von Verstorbenen zu verzeichnen (2014: 735), heißt es in dem Report. Die Anzahl der Transplantationen von Lebendspendern ist ebenfalls etwas zurückgegangen (2014: 77).

Im Jahr 2015 wurden in Österreich 359 verstorbene präsumtive Organspender gemeldet und 195 davon auch verwendet. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr (345 gemeldete und 207 realisierte Organspender) ein Rückgang bei den durchgeführten Organspenden. 2015 lag die Rate bei 22,7 Spendern pro Million Einwohner (24,3 im Jahr 2014). Mit Ende 2015 warteten 829 Patientinnen und Patienten auf ein geeignetes Spenderorgan.

Mittlere Wartezeit für eine Niere: rund 42 Monate

Während man auf eine Niere im Mittel 41,6 Monate wartet (hier gibt es die Möglichkeit der Dialyse als Nierenersatztherapie; Anm.), liegen die Wartezeiten bei Herztransplantationen bei 3,7 Monaten, bei der Lunge und bei Lebertransplantationen bei 3,2 Monaten. Die Wartezeiten haben sich im Fall von Niere, Herz und Leber geringfügig verkürzt, für Lungentransplantationen sind sie gleich geblieben.

Insgesamt nahm die Zahl der auf ein Organ wartenden Patienten um etwa zehn Prozent ab. Das dokumentiert auch die Fortschritte in der Behandlung chronischer Erkrankungen, die zum Versagen von Organen führen können. Trotzdem sterben noch immer Menschen auf den Wartelisten für Organtransplantationen.

Österreichweit gibt es große Unterschiede, was die Zahl der Organspender betrifft. So kamen in Kärnten 39,5 Spender auf eine Million Einwohner, in Salzburg 27,9 und in der Steiermark 27,8. In Wien waren es 20,6, in Niederösterreich 18,9 und in Vorarlberg 18,5. Danach folgten Oberösterreich (17,4), Tirol (13,7) und schließlich das Burgenland (6,9). Im österreichweiten Gesamtmittel von 22,7 sind auch die Daten inklusive der Spender aus den italienischen Provinzen Bozen und Trient enthalten.

Internationale Spitze

Im Jahr 2015 waren insgesamt rund 65.800 Stammzellspender im österreichischen Stammzell-Register erfasst. Durch die internationale Vernetzung mit anderen Registern stehen derzeit weltweit rund 28 Millionen Stammzellspenderinnen und -spender zur Verfügung. Für etwa 80 Prozent aller Patienten in Österreich kann ein Fremdspender gefunden werden. Die durchschnittliche Suchdauer bis zur Identifizierung einer passenden nichtverwandten Spenderin bzw. eines passenden nichtverwandten Spenders lag im Jahr 2015 bei 30 Tagen. 2015 wurden insgesamt 534 Stammzelltransplantationen durchgeführt, im Vergleich zum vergangenen Jahr ist das einen Anstieg um knapp vier Prozent.

International lag Österreich im Jahr 2014 mit 24,3 Organspendern pro Million Einwohner im Spitzenfeld. In Spanien waren 39,9 Organspender pro Million Einwohner registriert, in Kroatien 35,1. In Deutschland lag der Wert bei 10,7. Bei den Transplantationen insgesamt (inklusive von Lebendspendern) lag Österreich 2014 im internationalen Vergleich mit 95,4 pro Million Einwohner vor Spanien (93,1) an der Spitze. Deutschland erreichte die Hälfte des österreichischen Werts: Insgesamt 47,7 Transplantationen pro Million Einwohner. (APA, 12.7.2016)

  • Vergleich: Durchgeführte Tranplantationen und Anzahl der Menschen, die 2015 in Österreich auf der Warteliste standen.
    grafik: apa

    Vergleich: Durchgeführte Tranplantationen und Anzahl der Menschen, die 2015 in Österreich auf der Warteliste standen.

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