Kulturminister Drozda legt Kunst- und Kulturbericht 2015 vor

12. Juli 2016, 12:32
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Insgesamt Ausgaben in Höhe von 410,29 Mio. Euro

Wien – Neuer Minister, neues System: Erstmals legt Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) einen Kunst- und Kulturbericht vor. Das Konvolut, das die Bundesausgaben für 2015 ausweist, wurde am Dienstag dem Ministerrat präsentiert. Der Gesamtbericht ist dabei erstmals nach der Systematik LIKUS (Länderinitiative Kulturstatistik) abgefasst, was den direkten Vergleich mit den Vorjahreszahlen erschwert.

Nimmt man die nun vorgelegten Daten zur Hand, so ergibt sich für die gesamte Kunst- und Kulturförderung 2015 ein Aufwand von 410,29 Mio. Euro. Das bedeutet einen Rückgang im Vergleich zum Jahr davor, für das der aktuelle Bericht 425,85 Mio. Euro ausweist. Die Reduktion wird in erster Linie mit Sondermitteln für Bundesmuseen und Österreichische Nationalbibliothek – wie die Umgestaltung der Prähistorischen Schausammlung des Naturhistorischen Museums oder das neue Literaturmuseum der ÖNB – begründet, die 2014 mit 20,88 Mio. Euro zu Buche schlugen und großteils auch in jenem Kalenderjahr abgeschlossen wurden. Für 2015 ergaben sich in diesem Bereich Sonderfinanzierungen von 3,37 Mio. Euro.

Im Vorjahr waren die Bundesausgaben für 2014 noch mit 442,14 Mio. Euro beziffert worden. Darin waren allerdings noch Posten wie private Spenden an das Bundesdenkmalamt, Beirats- und Juryhonorare oder Kosten für Eigenpublikationen enthalten gewesen – beziehungsweise der Personalaufwand im Bereich der Sektion für Kunst- und Kultur. Das neue LIKUS-System, rückwirkend angewendet, ergibt nun die genannten 425,85 Mio. Euro, um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

Sektionszusammenlegung

Hintergrund für die Umstellung ist die im Mai 2015 erfolgte Zusammenlegung der beiden Sektionen, die für Kunst und Kultur zuständig sind, zur neuen Sektion II des Bundeskanzleramts. "Der vorliegende Bericht trägt dieser Zusammenlegung Rechnung, indem er erstmals die Ausgaben für Kunst und Kultur gemeinsam darstellt", wird Sektionschefin Andrea Ecker im Vorwort zitiert. Dabei wurden die beiden im Vorjahr 660 Seiten langen Einzelberichte auf eine 459 Seiten lange Zusammenschau eingedampft.

Diese bilde nun "eine solide Grundlage für eine zukunftsorientierte kulturpolitische Debatte", freute sich Kulturminister Drodza in einer Aussendung: "Unser Ziel ist es, die Kunst und Kultur in unserem Land zu stärken und möglichst viele Menschen dafür zu begeistern." Entsprechend einladend ist auch Drozdas Präambel zum Bericht formuliert: "Informieren Sie sich auf den kommenden Seiten über die Spielformen der Kreativität und die Fülle an künstlerischen und kulturellen Leistungen in unserem Land."

Rücklagen für Haus der Geschichte

Der Blick auf die Details zeigt etwa, dass sich die Förderausgaben im Bereich Kunst auf 87,66 Mio. Euro (2014: 86,30 Mio. Euro) beliefen, im Bereich Kultur auf 322,63 Mio. Euro (2014: 339,56 Mio. Euro). Der Rückgang ist auf das Bilden von Rücklagen zurückzuführen, die großteils für das geplante Haus der Geschichte gedacht sind. Der größte Anteil entfiel auf die Bundestheater, deren Basisabgeltung mit 148,94 Mio. Euro annähernd konstant blieb.

Selbiges gilt im Übrigen für die Bundesmuseen, deren Basisabgeltung sich auf 85,06 Mio. Euro summierte, sowie die ÖNB mit 23,09 Mio. Euro. Die schon erwähnten Sondermittel für Investitionsprogramme in diesem Bereich wurden 2015 unter anderem für das Winterpalais des Belvedere, das Weltmuseum Wien und das Technische Museum aufgewendet.

Verbessertes Geschlechterverhältnis

Ein positives Zwischenresümee wurde hinsichtlich der Genderpolitik gezogen. So habe sich das Geschlechterverhältnis in der Kunstförderung seit 2007 verbessert: Gingen damals 43 Prozent der Fördermittel an Frauen, waren dies im Vorjahr – wie schon im Jahr 2014 – 49 Prozent. Besonders hohe Anteile ergaben sich in Sparten wie Architektur und Design (73 Prozent für Frauen), Mode (80 Prozent) sowie darstellende Kunst (79 Prozent). Die durchschnittlichen Beträge beliefen sich spartenübergreifend auf 4.636 Euro für Frauen sowie 5.213 Euro für Männer. (APA, 12.7.2016)

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