Urlaubsscheu geht gar nicht

Kommentar12. Juli 2016, 11:55
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Falsche Orden der so genannten Leistungskultur

Arbeitsscheu ist eines der allerhässlichsten Worte, um klarzumachen, wer "nützlich" ist und wer nicht. Urlaubsscheu klingt dagegen direkt witzig – ist es aber gar nicht und gehört auch ganz oben auf die Blacklist. Vorhanden ist das Phänomen jedenfalls, vielleicht in Europa weniger als in den USA.

Aber das zwanghafte Gefühl, anwesend bleiben zu müssen, um nicht den Eindruck zu erwecken, man ruhe sich zu viel aus, sei nicht engagiert und habe kein Interesse am andauernden Konkurrenzkampf, in dem drei Fleißigere warten, den Platz einzunehmen, hat in vielen Unternehmen Platz. Dauernd Mail checken reicht nicht, es geht um physische Präsenz, zumindest am freien Tag mal vorbeischauen.

foto: istock
Bis zum Umfallen? Vorgesetzte sind in der Pflicht, für Abwesenheit zu sorgen.

Das mischt sich mit riesigen Verlustängsten. Dass man besser auch krank ins Büro geht, gehört da dazu. Am besten also gleich festschweißen im Arbeitssessel. Und sollte sich doch ein Urlaub aufdrängen, weil es ins Programm eines herzeigbaren Lebens gehört, dann mit dem Stuhl an den Strand und den Laptop nie zuklappen. Vorgesetzte, die das zulassen, gehören abgesetzt. (Karin Bauer, 12.07.2016)

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