Allergie-Prophylaxe mit Daumen und Nägeln

12. Juli 2016, 10:31
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Eine Langzeitstudie zeigte, dass Daumenlutschen oder Nägelbeißen Allergien vorbeugen kann – Der tatsächliche gesundheitliche Nutzen ist allerdings unklar

Wellington – Daumenlutschen und Nägelbeißen zählen nicht zu den Verhaltensweisen, die Eltern gerne bei ihren Kindern sehen. Möglicherweise stärken sie aber die Gesundheit der Sprösslinge: Eine Langzeitstudie neuseeländischer Wissenschafter deutet darauf hin, dass Daumenlutscher und Nägelkauer deutlich seltener Allergien entwickeln als Menschen, die im Kindesalter diese Angewohnheiten nicht hatten.

Die Befunde unterstützen nach Auffassung der Forscher die Theorie, dass Menschen, die in jungem Alter mikrobiologischen Organismen ausgesetzt sind, stärker gegen Allergien resistent sind. Solche Organismen können durch Daumenlutschen und Nägelkauen verstärkt in den kindlichen Körper gelangen. Die Studie wurde im US-Fachblatt "Pediatrics" veröffentlicht.

Beschränkte Aussagekraft

Von mehr als 1.000 untersuchten 13-Jährigen, die als kleine Kinder weder Daumen noch Nägel in den Mund nahmen, hatten 49 Prozent mindestens eine Allergie entwickelt. Von den Probanden, die im Kleinkindalter entweder Daumen lutschten oder Nägel kauten, waren es 38 Prozent. Kinder, die beide Angewohnheiten pflegten, hatten zu 31 Prozent mit zumindest einer Allergie zu kämpfen.

"Dies legt nahe, das Mikroben-Kontakte im Kindesalter das Allergierisiko verringern", sagte Studienhauptautor Bob Hancox von der neuseeländischen Universität Otago. Der Wissenschafter betonte aber zugleich die beschränkte Aussagekraft der Studie: Die Allergien seien lediglich bei Hauttests festgestellt worden. Bei Allergien wie etwa Heuschnupfen, deren Symptome nicht auf Hautreaktionen beschränkt seien, lasse sich kein Unterschied zwischen den untersuchten Gruppen feststellen.

Keine Empfehlung fürs Daumenlutschen

"Wir regen keineswegs an, dass Kinder zu diesen Angewohnheiten ermuntert werden, weil der tatsächliche gesundheitliche Nutzen unklar ist", heißt es in der Studie. Für die Erhebung hatten die Wissenschafter 1.037 Kinder im Alter von fünf, sieben, neun und elf Jahren auf Angewohnheiten wie Nägelknabbern oder Daumenlutschen untersucht. Mit 13 Jahren wurden sie Allergietests unterzogen, mit 32 Jahren zur Überprüfung dann noch einmal. (APA, AFP, 12.7.2016)

  • Daumenlutschen wurde bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts als pathologisch eingestuft. Heute sprechen Kinderärzten von einer "schlechten Angewohnheit".
    foto: wikipedia/gemeinfrei

    Daumenlutschen wurde bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts als pathologisch eingestuft. Heute sprechen Kinderärzten von einer "schlechten Angewohnheit".

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