Belvedere: Kunstszene fordert Wiederbestellung Hussleins

11. Juli 2016, 19:32
26 Postings

Agnes Husslein soll Direktorin des Belvedere bleiben. Ioan Holender, Erwin Wurm und Hermann Nitsch haben einen offenen Brief unterzeichnet

Wien – In der Debatte um angebliche Verstöße gegen die hausinternen Compliance-Richtlinien erhält Belvedere-Direktorin Agnes Husslein Unterstützung aus der Kunst- und Galerieszene. Am Montagabend wurde ein offener Brief namhafter Proponenten veröffentlicht, der die Kulturpolitik zur Verlängerung der Museumschefin an der Spitze des Hauses auffordert.

"Wir wollen der Politik Mut zusprechen, die Neuberufung von Agnes Husslein gegen den destruktiven Willen aller vorgestrigen und hoffnungsfrohen Besserwisser, Skeptiker und Kunstfeinde durchzusetzen", heißt es in dem Schreiben, das von Prominenten wie Sabine Breitwieser, Direktorin des Salzburger Museums der Moderne, Ex-Staatsopernchef Ioan Holender, den Künstlern Erwin Wurm, Brigitte Kowanz und Hermann Nitsch, den Galeristen Thaddaeus Ropac und Rosemarie Schwarzwälder und dem Neos-Abgeordneten Sepp Schellhorn unterzeichnet wurde.

"Ehre wem Ehre gebührt! Agnes Husslein hat sich als Kulturmanagerin und Direktorin des Belvedere profiliert und braucht keinen internationalen Vergleich zu scheuen", halten die Unterstützer weiters fest: "In den von ihr geleiteten Institutionen gibt sich nicht nur die Welt die Hand, sie sind gleichzeitig zum zentralen Biotop der österreichischen Kunstszene geworden." Und die österreichische Kunst benötige eine solche produktive Basis.

Vorwürfe gegen Husslein

Mitte Juni hatte das Kuratorium des Museums bekanntgegeben, dass der Bestellungsprozess für die Belvedere-Leitung – für die sich Husslein erneut beworben hatte – ausgesetzt worden sei. Der Grund seien Vorwürfe des Verstoßes gegen Compliance-Richtlinien der amtierenden Geschäftsführung. Es wurde eine Studie bei einem externen Wirtschaftsprüfer in Auftrag gegeben, die demnächst vorliegen soll. Laut Medienberichten soll es bei den genannten Vorwürfen primär um die Vermischung von privatem und öffentlichem Interesse und um die Verwendung von Museums-Ressourcen für persönliche Angelegenheiten gegangen sein.

Zinggl kritisiert

Der Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl hat hingegen am Montag gegenüber der APA angesichts der kolportierten Vorwürfe in Richtung Husslein gegen Kulturmanager Stellung bezogen, "die Exzentrik mit Egozentrik verwechseln, ihr ausgeprägtes Ego mit Exzellenz und Grenzen nur für andere ziehen." Er störe sich daran, dass staatliche Kunstinstitutionen zu Selbstbedienungsläden würden. "Ein Führungsstil, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie persönliche Bedienstete behandelt, fordert die verantwortliche Kulturpolitik genauso zum Handeln auf, wie die Ignoranz von Compliance-Regeln", so Zinggl. (APA, 11.7.2016)

Share if you care.