Bank Austria soll mit Münchner Geld gestärkt werden

11. Juli 2016, 17:41
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Die Bankenaufsicht verlangt für ihren Sanktus zum CEE-Deal der Unicredit eine stabilere Kapitaldecke der Bank Austria. Ins Visier kommt Geld, das die HVB in ihren Büchern bunkert

Wien – Je näher der 1. August rückt, desto spannender werden die Entwicklungen rund um den Umbau der Bank Austria (BA). Für diesen Tag ist die Hauptversammlung der Unicredit-Tochter geplant, in der die Übersiedlung des Osteuropageschäfts (CEE) von der BA zur Mailänder Mutter beschlossen werden soll.

Der Restrukturierungsplan liegt auf den Tischen der Bankenaufseher in Frankfurt (EZB), sie müssen ihn noch per Bescheid genehmigen. Und da drohen Bröseln – die Aufsicht sehe in einer BA ohne CEE kein nachhaltiges Geschäftsmodell, kolportierten Wiener Zeitung und Kurier am Wochenende.

Sorge um Kapitalausstattung

Tatsächlich sorgt man sich um die Kapitalausstattung der künftigen BA. Bei der EZB (in den Teams sitzen auch Vertreter der österreichischen Aufsicht) wollte man keine Stellung dazu abgeben. Die BA betont, man werde die Kapitalquoten auch in Zukunft "übererfüllen", der Deal werde "erwartungsgemäß" bis Ende 2016 abgeschlossen. Zuletzt hat die BA eine Kernkapitalquote (Common Equity Tier One) von rund 16 Prozent ausgewiesen.

Der nun anstehende Deal erhöhe das Geschäftsrisiko der abgeschlankten Bank Austria aber – weswegen die Aufseher bei der "Bank Austria solo" einen dickeren Kapitalpolster einfordern wollen. Verglichen mit anderen Großbanken wäre eine BA solo aus jetziger Sicht schlecht kapitalisiert, argumentieren Involvierte. Denn: Die Kernkapitalquote reduziert sich durch die Abgabe des CEE-Bereichs von den genannten rund 16 auf rund 11,6 Prozent.

Zur Einordnung die Zahlen und die Sparten, um die es beim Umbau der BA geht: Die BA hat 2015 rund 1,3 Milliarden Euro Gewinn gemacht, rund 600 Millionen Euro davon kamen aus CEE, rund 300 Millionen aus Sondereffekten. Der Gewinngrat, auf dem die BA unterwegs ist, ist also schmal, Absturzgefahr nicht ausgeschlossen.

Ohne CEE bleiben dem Institut noch das Geschäft mit Privatkunden (ist defizitär, derzeit läuft ein Filialschließungsprogramm), mit Firmenkunden sowie das Private- und Investmentbanking. Etwaige operative Verluste schlügen sich aufs Eigenkapital durch.

Milliarden Eigenmittel übersiedeln nach Italien

Laut Spaltungs- und Übernahmevertrag wandern mit dem CEE-Paket (13 Tochterbanken) 8,2 Milliarden Euro anrechenbarer Eigenmittel nach Italien; das ergibt eine Gesamtkapitalquote von 36 Prozent. Die harte Kernkapitalquote des übersiedelten CEE-Blocks beträgt laut dem Zahlenwerk 23,42 Prozent.

Was der BA solo bleibt, erschließt sich aus der Spaltungsbilanz: anrechenbare Eigenmittel von rund 6,1 Milliarden Euro (Gesamtkapitalquote: 15,29 Prozent) und eine harte Kernkapitalquote von den genannten 11,63 Prozent. Die BA müsse aber stabiler aufgestellt sein, fordert die Aufsicht, schließlich habe das Institut rund 20 Milliarden Euro an sicherungspflichtigen Einlagen.

Die Italiener, so heißt es in wohlinformierten Kreisen, hätten sich auch durchaus bereiterklärt, die Kapitalbasis ihrer abgeschlankten Österreichtochter zu verbessern – bisher seien das aber nur weiche Zusagen. Angesichts der angespannten Lage der Unicredit und der italienischen Banken generell seien Zusagen nicht mehr genug. Die Aufseher wollen nun also Taten sehen – also: Geld für eine verbesserte Kapitalquote.

Kapital von der HVB

Und Kapital, so argumentiert man vor allem in Österreichs Aufsichtskreisen, wäre in der Unicredit-Gruppe ja vorhanden. Der Hintergrund: Die Münchner HypoVereinsbank (HVB; sie hat die Bank Austria einst an die Italiener verkauft und ist heute eine BA-Schwester) schwimmt geradezu in Kapital.

Denn sie bunkert immer noch den BA-Verkaufserlös in der Höhe von ungefähr 12,5 Milliarden Euro in ihren Büchern. Dieses Geld hat sie auf Wunsch der deutschen Aufsicht Bafin nie nach Mailand überwiesen. Die "technische Möglichkeit", dieses Kapital im Unicredit-Konzern besser zu verteilen, bestehe durchaus, sagt ein Aufseher. Und: "Das Problem der Bank Austria ließe sich also leicht lösen." (Renate Graber, 11.7.2016)

  • Die Bank Austria soll ihr Ostgeschäft an die Mutter abgeben, das kostet sie einen Gutteil ihrer Gewinne; die Kapitaldecke franst aus. Die Aufseher bestehen auf einer höheren Kapitalausstattung.
    foto: reuters/bader

    Die Bank Austria soll ihr Ostgeschäft an die Mutter abgeben, das kostet sie einen Gutteil ihrer Gewinne; die Kapitaldecke franst aus. Die Aufseher bestehen auf einer höheren Kapitalausstattung.

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