Knifflig: Was tun mit Bären, die von Müll leben?

12. Juli 2016, 09:00
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Eine Mülldeponie in der Türkei hat dazu geführt, dass Braunbären in derselben Region zwei ganz unterschiedlichen Lebensstilen nachgehen

Sarikamis – Anfang des Jahres berichteten deutsche Forscher, dass immer mehr europäische Störche nicht mehr zu ihren klassischen Überwinterungsplätzen südlich der Sahara aufbrechen, sondern sich auf riesigen Müllhalden in Spanien oder Marokko gemütlich einrichten. Möwen und natürlich Ratten haben unsere Abfallberge ohnehin längst für sich entdeckt, aber auch Waschbären oder Füchse können sich gut auf Müll als Lebensgrundlage einstellen.

Und auch deutlich größere Tiere nutzen die Ressource: In Nordamerika etwa sind Schwarzbären als Müllplünderer bekannt. Die Braunbären der Alten Welt hat man damit noch kaum in Verbindung gebracht, aber auch sie können sich auf den neuen Lebensstil einlassen – mit Folgen, wie der "New Scientist" berichtet.

Zwei Lebensstile in derselben Region

Ein Forscherteam um Gabriele Cozzi von der Universität Zürich stellte fest, wie die kleine Braunbärenpopulation im Landkreis Sarikamis im Nordosten der Türkei zwei ganz verschiedene Lebensstile pflegt. Ein Teil davon hat eine große Mülldeponie zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht: Die betrefffenden Tiere – sieben Männchen und drei Weibchen – verlassen die Nähe der Deponie nur, wenn sie sich zur Winterruhe begeben.

Die übrigen Bären – drei Männchen und drei Weibchen – meiden die Deponie und gehen auf lange Wanderungen – insbesondere vor der Winterruhe, wenn sie sich genug Fett anfressen müssen. Jedes Jahr legen sie in krassem Gegensatz zu den Müllhaldenbären im Schnitt 165 Kilometer zurück, wie die Forscher mit Peilsendern feststellen konnten.

Die Behörden von Sarikamis wollen die Deponie nun schließen lassen, was nicht alle Experten unbedingt für eine gute Idee halten: Die Tiere könnten nach dem Verlust ihrer Nahrungsquelle im besten Fall wieder zu einem natürlicheren Lebensstil zurückkehren. Sie könnten aber auch nicht mehr zur Anpassung fähig sein und verhungern. Oder – und das will niemand – sie könnten noch näher an menschliche Siedlungsgebiete heranrücken und zur Gefahr werden. (red, 12.7.2016)

  • Warum mühsam Beeren sammeln oder gar Hirschkälber jagen, wenn das Fastfood wie von Zauberhand täglich am selben Ort auftaucht? Nordamerikanische Schwarzbären sind nicht die einzigen Großsäuger, die die Ressource Müll für sich entdeckt haben.
    foto: ap photo/via kentucky dept. of fish and wildlife resources, dave huff

    Warum mühsam Beeren sammeln oder gar Hirschkälber jagen, wenn das Fastfood wie von Zauberhand täglich am selben Ort auftaucht? Nordamerikanische Schwarzbären sind nicht die einzigen Großsäuger, die die Ressource Müll für sich entdeckt haben.

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