Froome und die zaudernde Meute

11. Juli 2016, 17:19
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Chris Froome reitet zur Halbzeit der Tour de France auf Kurs Titelverteidigung. Die Verfolger sind nahe, trauten sich aber bis jetzt nicht recht heran. Der Brite verfügt über das beste Team

Andorra la Vella – Chris Froome ist Verdächtigungen gewohnt. Der 31-jährige Brite, der das Gelbe Trikot der Tour de France nach der zweiten Bergetappe der 103. Auflage am vergangenen Samstag anzog und zunächst durch die Pyrenäen bis zum gestrigen Ruhetag nah Andorra trug, lächelte daher nur, als die Sprache auf das sogenannte Motordoping kam. Jetzt, wo es ja Wärmebildkameras gebe, die Motoren am Rad aufspüren, könne der Kapitän von Sky nicht mehr einfach so davonfahren, wie in manchen Jahren davor, stellte ein Journalist provokant fest. Die Antwort für seinen Star übernahm Sky-Teamchef David Brailsford. "Einen Motor zu finden, ist ziemlich leicht", sagte der Sir und verwies darauf, dass Froomes Maschine so oft wie keine andere getestet worden sei.

Unterstellungen und Anfeindungen

In der Vergangenheit waren Froomes Leistungen schonungsloser hinterfragt worden. Im vergangenen Jahr war beinahe exzessiv über seine Leistungsdaten diskutiert worden. 2013 wurde er nach seiner Attacke am Mont Ventoux mit Dopingunterstellungen eingedeckt. Fast noch mehr hatten ihm Anfeindungen entlang der Strecke zugesetzt. "Ich bin froh, dass ich nichts von diesem Nonsens bisher erlebt habe", sagte Froome am Montag, "die Atmosphäre im Rennen ist fantastisch." Auch die Rangelei mit einem kolumbianischen Anhänger war nicht mehr als eine Randnotiz.

Froome kann sich auf das Sportliche konzentrieren. "Wir haben das beste Team, das spricht für mich. Wir kontrollieren das Rennen", sagte der Titelverteidiger und Toursieger von 2013. Brailsford ergänzte: "Entweder das ändert sich oder wir werden weiter so fahren und konzentrieren uns auf einige spezielle Szenarien."

Es war wohl eine versteckte Kritik an der zeitweisen Tatenlosigkeit der Teams der Herausforderer. Dabei sind diese zahlreicher als in der Vergangenheit. Auch wenn der Spanier Alberto Contador ausgestiegen ist und von vielen der Kolumbianer Nairo Quintana als die einzige wirkliche Gefahr gesehen wird – nach den Pyrenäen bewegt sich noch mehr als ein halbes Dutzend im Dunstkreis Froomes – innerhalb einer einzigen Minute.

Fokus liegt auf den Alpen

Froome hat zwar mit seiner spektakulären Abfahrt vom Peyresourde für Aufsehen gesorgt, eine einschüchternde Attacke am Berg blieb er aber bisher schuldig. Dennoch sind seiner Ansicht nach die Konkurrenten gefragt. "Es liegt an den anderen, Zeit zurückzuholen. Ich bin glücklich über Gelb, das verschafft mir taktisch und moralisch einen Vorteil. Aber ich denke, das wird der härteste Kampf meiner Karriere." Entscheiden werde sich die Tour erst ganz am Ende in den Alpen. Darauf hat Froome auch sein Training ausgerichtet. Ein Einbruch wie im vergangenen Juli in Alpe d'Huez, als ihm Quintana den Sieg beinahe noch entrissen hatte, soll nicht wieder vorkommen.

Von den vier Österreichern im Feld kann im Grunde der Langsamste am glücklichsten sein. Routinier Bernhard Eisel, der schon mehr als zwei Stunden auf Froome verlor, hat im Briten Mark Cavendish einen dreifachen Etappensieger und den Träger des Punktetrikots im Team Dimension Data. Einen weiteren Tagessieg besorgte den Südafrikanern Cavendishs Landsmann Steve Cummings. (sid, red, 11.7.2016)

  • 1769,5 der insgesamt 3535 Kilometer der 103. Tour de France liegen hinter Christopher Froome. Der in Kenia geborene Brite könnte wegen seiner Verfassung auch zuversichtlich nach vorn blicken.
    foto: apa / afp / jeff pachoud

    1769,5 der insgesamt 3535 Kilometer der 103. Tour de France liegen hinter Christopher Froome. Der in Kenia geborene Brite könnte wegen seiner Verfassung auch zuversichtlich nach vorn blicken.

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