Bundesheer nicht nur mit blauen Helmen im Einsatz

11. Juli 2016, 17:23
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Das Bundesheer ist international stark vernetzt, es kooperiert innerhalb der EU und agiert im Kosovo unter Nato-Kommando

Wien – Die Liste beginnt mit A wie "Afghanistan" (dort hat das Bundesheer derzeit neun Stabsangehörige stationiert) und endet mit Z wie "Zypern" (wo derzeit vier Soldaten des Bundesheeres stationiert sind). Immerhin 69 Experten und Offiziere hat die Republik Österreich derzeit in internationale Stäbe entsendet.

Und das zusätzlich zu jenen Truppen, die Österreich traditionell – der erste internationale Blauhelmeinsatz des damals noch jungen Bundesheeres erfolgte bereits 1960 im Kongo – für internationale Aufgaben stellt. Der älteste noch laufende Einsatz ist jener in Zypern – dort wurden die ersten österreichischen Soldaten 1964 eingesetzt, nach 37 Jahren hörte Österreich auf, für dieses UN-Mandat Truppen zu stellen; dennoch sind weiterhin vier Blauhelme auf der Mittelmeerinsel.

Das größte Kontingent unter Nato-Kommando

Relativ große Truppenkontingente stellt Österreich derzeit im Kosovo mit 486 Mann, in Bosnien mit 197 Mann und im Libanon mit 183 – wobei nur die 2011 gestartete Libanon-Mission Unifil eine mit Blauhelmen der Uno ist. Die 1999 im Auftrag der Uno geschaffene Kosovo-Friedenstruppe KFOR, an der sich Österreich von Anfang an beteiligt hat, steht unter Nato-Kommando. Die Bosnien-Mission – ursprünglich 1996 von der Nato als SFOR eingerichtet, wo Österreich auch beteiligt war – läuft seit 2004 als Eufor/Althea unter EU-Kommando.

Entsprechend stark ist auch Österreichs militärische Vertretung in Brüssel. Neben der eigentlichen Militärmission gibt es dort im EU-Military Staff sechs Offiziere in den Bereichen Logistik, Intelligence und Capability Development sowie einen Kursdirektor am European Security and Defence College.

Beitrag zur Neutralitätspolitik

Der Zweck dieser multilateralen Kooperation ist die Vertretung von Interessen des österreichischen Verteidigungsministeriums gegenüber internationalen Organisationen und in multilateralen Gremien. Die Leistung dieser Stabsoffiziere wird von den betreffenden Organisationen durchaus auch als Beitrag zu deren Handlungsfähigkeit und als Unterstützung ihres Auftrags wahrgenommen. Das Bundesheer seinerseits sieht die Mitarbeit in internationalen Gremien als wesentliches Element einer aktiven Neutralitäts- und Solidaritätspolitik – zu der es jeweils von der Regierung beauftragt wird.

Das österreichische Militär ist zudem mit elf Offizieren in den Nato-Kommanden in Mons, Norfolk, Oberammergau, Stavanger, Brüssel, Tallinn, Polje und Prag vertreten, die in den Bereichen Operational Capabilities Concept Evaluation and Feedback Programme, Interoperabilität, Ausbildungsunterstützung, Einsatznetzwerke, Übungsplanung, Cyber Defense, Gebirgskampf und Logistik tätig sind.

Ein Offizier ist in der European Defence Agency in Brüssel, zehn Soldaten im Multinational Joint Headquarters in Ulm und insgesamt drei Militärberater bei den österreichischen UN-Botschaften.

Schließlich gibt es noch einen Verbindungsoffizier zum United Nations Liaison Office for Peace and Security in Brüssel; das ist das UN Verbindungselement zu EU und NATO zur Vorbereitung und Unterstützung von UN Operationen. (Conrad Seidl, 11.7.2016)

  • EUFOR-Kommandoübergabge: Generalmajor Friedrich Schrötter (li) übernimmt das internationale Kommando, Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil gratulierte am 24. März 2016.
    foto: apa/bundesheer/pusch

    EUFOR-Kommandoübergabge: Generalmajor Friedrich Schrötter (li) übernimmt das internationale Kommando, Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil gratulierte am 24. März 2016.

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