Martin Greisberger: "Gemeindepolitik muss die Region mitdenken"

12. Juli 2016, 12:28
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Thalgaus Bürgermeister plädiert für eine Kommunalpolitik, die über den Tellerrand hinausblickt

Salzburg – Martin Greisberger, seit 2004 Bürgermeister der Flachgauer Gemeinde Thalgau, ist immer für Überraschungen gut. Im STANDARD-Gespräch über seine kommunalpolitischen Grundsätze verkündet er en passant gleich einmal seinen Rückzug aus der Politik: "Ich werde 2019 nicht mehr antreten." Dann sei er 51 Jahre alt, davon 15 Jahre Bürgermeister. "Das ist genug."

Der Altmannbauer, so der Hausname seines Hofes, geht aus freien Stücken. Daran, dass er die Bürgermeisterwahl wieder für sich entscheiden könnte, zweifelt im Ort niemand. Die vergangenen Wahlgänge 2009 und 2014 hat der ÖVP-Politiker jeweils im ersten Wahlgang mit mehr als zwei Dritteln der Stimmen gewonnen.

Und: Greisberger übergibt die rund 6000 Einwohner zählende Marktgemeinde im Nordosten der Landeshauptstadt in gutem Zustand. Wirtschaftlich steht Thalgau, auch weil der japanische Konzern Sony hier einen Standort unterhält, solid da. Kommendes Jahr soll der Hochwasserschutz fertiggestellt sein. Damit sollen Katastrophen wie zuletzt 2002 der Vergangenheit angehören.

Verkehrsberuhigung

Quasi vorbildhaft für das ganze Bundesland wurde das Ortszentrum von Thalgau 2010 mit einer Begegnungszone verkehrsberuhigt. Gegen den Widerstand des Landes, wie Greisberger anmerkt.

Dass der Bauer und gelernte Kupferschmied weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt ist, liegt freilich mehr an seinem grundsätzlichen Politikverständnis: Über den Tellerrand müsse moderne Gemeindepolitik funktionieren, sagt er. Durchaus auch als Appell an manchen seiner Amtskollegen ist dabei sein Credo zu verstehen: "Gemeindepolitik muss die Region mitdenken." Er selbst ist seit Jahren Obmann der Regional-Stadtbahn-Salzburg-Bayern-Oberösterreich, kurz RSB.

Projekt Regionalstadtbahn

Der Verein, in dem 59 Gemeinden der ganzen Region und zahlreiche weitere Körperschaften mitarbeiten, will den Verkehr im Großraum Salzburg auf völlig neue Füße stellen: Ein schienengestütztes Basisnetz mit Buslinien für den Querverkehr soll die Region überziehen. "In Europa haben jene Regionen wirtschaftlich die Nase vorn, die ein gutes Öffi-Netz haben", sagt Greisberger.

Dass das 500-Millionen-Projekt RSB noch nicht über die Phase der Planungen und Machbarkeitsstudien hinausgekommen ist, liege an einem Salzburger Spezifikum, sagt Greisberger. Während anderswo die Zentren die Umlandgemeinden beknieten, damit diese zu modernen Lösungen zustimmen, sei es in Salzburg umgekehrt. Hier sperre sich vor allem Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) gegen ein von der RSB angestrebtes oberirdisches Schienennetz durch die Stadt. Dass sich so bald am Njet der Stadt nichts ändern wird, weiß Greisberger. "Jetzt geht es darum, die Korridore für die Schiene freizuhalten."

Windkraft

Auch bei einem zweiten Vorhaben steht der Ortschef an. Seit zwölf Jahren laufen Bemühungen, am Thalgauer Lehmberg eines oder mehrere Windkrafträder aufzustellen. Es wäre das erste im bis dato windkraftlosen Salzburg. Die Bewilligungen durch die Landesbehörde lassen auf sich warten.

Da stößt Greisberger auch an die Grenzen in seiner eigenen Partei, der ÖVP. Bei der hat er aber ohnehin immer weniger Freude, wie er freimütig einräumt. "Als Bauernbub und Bauernbündler komme ich aber eben aus diesem Stall."

Flüchtlingspolitik

Wie sehr sich Greisberger von manchem seiner Amtskollegen – nicht nur von jenen aus der ÖVP – unterscheidet, wird beim Thema Flüchtlinge deutlich. In Thalgau habe es schon 2014 einen einstimmigen Grundsatzbeschluss gegeben, Flüchtlinge aufzunehmen. Heute leben hier 150 Asylwerber, das ist ein Anteil von 2,6 Prozent.

Im Ort gebe es kaum Probleme, berichtet der Bürgermeister. Wohl auch, "weil wir gar nie eine Stimmung aufkommen haben lassen", wie er mit leichtem Lächeln sagt. Apropos Stimmung: Er selbst hat vor kurzem in einem Lokal im Ortszentrum, an dem er beteiligt ist, einen bereits asylberechtigten Syrer angestellt. (Thomas Neuhold, 12.7.2016)

  • Verkehr, Energie, Flüchtlinge: Für Martin Greisberger endet die Kommunalpolitik nicht automatisch an den Gemeindegrenzen.
    foto: gemeinde thalgau

    Verkehr, Energie, Flüchtlinge: Für Martin Greisberger endet die Kommunalpolitik nicht automatisch an den Gemeindegrenzen.

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