Betrugsprozess: Blitzrückfall mit Louis-Vuitton-Taschen

11. Juli 2016, 13:12
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Im Februar versprach eine 41-Jährige der Richterin, mit Internet-Betrügereien aufzuhören. Eine Lüge: Sie machte trotz Diversion weiter

Wien – Die Möglichkeit für Richterinnen und Richter, ein Strafverfahren mittels Diversion ohne Urteil vorläufig einzustellen, ist eine grundvernünftige Sache. Für einen einmaligen Fehler ist man nicht jahrelang mit einem Strafregistereintrag stigmatisiert, das Verrichten von Sozialarbeit oder die Auflage, sich mit einem Opfer auszusprechen, kann durchaus mehr bringen. Im Fall von Manuela Pammer (Name geändert, Anm.) war das ganz offensichtlich nicht der Fall.

Im Februar ist sie schon einmal vor Richterin Sylvia Primer gesessen. Der Vorwurf damals: Sie habe in 21 Fällen zwischen Sommer und November 2015 im Internet Louis-Vuitton-Taschen verkauft. Was noch nicht illegal wäre. Dass sie den Preis kassierte, aber überhaupt keine Taschen besessen hat, dagegen sehr wohl.

Familiäre Probleme hätten damals zu einem "totalen Blackout" geführt, begründete sie ihre Tat vor fünf Monaten. Sie würde es auch nie wieder machen, versprach sie der Richterin, die sich daher für eine Diversion mit Geldstrafe entschied.

Noch zwei Monate weitergemacht

Das Versprechen hielt Pammer nicht. Im Gegenteil – wie sich herausstellte, verkaufte die 41-Jährige munter weiter. Das letzte der nun insgesamt 33 Delikte stammt vom April 2016. Über zwei Monate nach der Diversion.

Nun muss sie auch zugeben, dass schon damals klar gewesen sei, dass sie mit ihrem Einkommen den Schaden kaum begleichen hätte können. "Warum haben Sie das damals nicht gesagt?", fragt Primer sie. "Mir war die Konsequenz nicht so bewusst."

Die Konsequenz waren zwei Monate Untersuchungshaft. Die Richterin gibt der Angeklagten noch eine Chance und verurteilt sie wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs zu zehn Monaten teilbedingter Haft – die acht unbedingten Wochen sind schon verbüßt.

"Ich glaube, dass Sie durch das Haftübel zur Vernunft gekommen sind", ist Primer optimistisch, ordnet aber zusätzlich Bewährungshilfe an. Pammers Verteidiger Peter Philipp verzichtet sofort auf Rechtsmittel, da die Staatsanwältin keine Erklärung abgibt, ist das Urteil nicht rechtskräftig. (Michael Möseneder, 11.7.2016)

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