Bewertungsskala für Krebsmedikamente bewährt sich

11. Juli 2016, 12:40
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Die Vielzahl an Krebsmedikamenten stellt Mediziner vor Herausforderungen. Eine neue Bewertungsskala soll das ändern – und sie scheint erfolgreich zu sein

In der Qualität der medikamentösen Behandlung von Krebspatienten in den EU-Ländern gibt es große Unterschiede – zum Beispiel im Vergleich von Comprehensive Cancer Centers (CCC) in den reichsten EU-Staaten und Kliniken in Osteuropa. Zudem sind derzeit alleine in den USA mehr als 770 Krebsmedikamente und Vakzine in Entwicklung und jährlich werden mehr Mittel zugelassen. Die Vielzahl an Medikamenten stellt Krebsspezialisten in der täglichen Praxis bei Auswahl der für denn einzelnen Patienten besten Therapie vor immer größere Herausforderungen.

Die europäische Onkologie-Gesellschaft (ESMO) hat daher eine Bewertungs-Skala für Arzneimittel gemäß dem Patientennutzen geschaffen. Jeweils für die Behandlung von frühen Karzinomen und für die Therapie fortgeschrittener Krebserkrankungen, wo es primär darauf ankommt, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, die Symptome zu verbessern und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten, werden die Medikamente nach den vorliegenden Daten aus wissenschaftlichen Studien eingestuft.

In der Behandlung von Krebserkrankungen im Frühstadium gibt es eine Skala von eins bis vier (je höher das Rating, desto besser), in der Skala für die Behandlung fortgeschrittener Krebserkrankungen ist die Skala komplexer. Ein Beispiel: Um den Wert 4 zu erhalten, muss mit einem neuen Medikament oder mit einer neuen Behandlungsstrategie die Überlebenswahrscheinlichkeit oder der Zeitraum bis zum Fortschreiten einer Krebserkrankung zumindest um 30 Prozent erhöht werden.

Studie mit Wiener Beteiligung

Eine Studie von Barbara Kiesewetter (Universitätsklinik für Innere Medizin I/MedUni Wien/AKH), die jetzt in ESMO Open erschienen ist, stellt die erste Überprüfung dar, ob das neue System der europäischen Krebsspezialisten zur objektiven Beurteilung des Wertes neuer Therapien praktikabel ist. Es handelt sich dabei um die ESMO-Skala des klinischen Nutzens (ESMO-MCBS).

Die Wiener Onkologen, die an der ersten Studie zur Bestimmung des Nutzens des neuen Systems beteiligt waren, analysierten einerseits die am CCC in Wien gewählten Behandlungsstrategien bei fortgeschrittenem Brust-, Lungen, Dickdarm, Magen-, Ösophagus-, Nierenzell- und Prostatakrebs. Andererseits wurde überprüft, ob die Skala auch die richtigen Hinweise in der jeweiligen Auswahl der Therapie gebracht hätte.

Das Ergebnis war positiv, wie die Autoren feststellten: "MCBS ist ein exzellentes Werkzeug für die tägliche Praxis in einem tertiären Zuweisungszentrum (auf die Behandlung von Krebserkrankungen spezialisiertes Zentrum; Anm.)." Es unterstütze die Ärzte beim Treffen der richtigen Therapieentscheidung und stelle einen guten Bewertungsmaßstab für neue Therapien dar.

Die Europäische Onkologengesellschaft will mit dem System die Qualität der Krebstherapie in ganz Europa verbessern und einfacher bewertbar machen. Gleichzeitig soll damit das Argumentieren über die aufgewendeten Kosten für die Therapie rationaler werden. (APA, 11.7.2016)

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