Arbeitnehmervertreter bei Thyssen gegen Fusion mit Tata

11. Juli 2016, 12:24
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Konzernbetriebsratschef: "Ich sehe nicht ein, warum hier Anlagen und Standorte geschlossen werden sollten. Das würde zu Widerstand führen"

Essen/Mumbai – Die mächtigen Arbeitnehmervertreter von Thyssenkrupp haben Überlegungen für eine Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel eine Absage erteilt. "Ich sehe keinen plausiblen Grund für eine Fusion mit Tata Steel", sagte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath am Montag. Thyssenkrupp Steel Europe gehöre zu den besten Stahlkonzernen in Europa.

"Ich sehe nicht ein, warum hier Anlagen und Standorte geschlossen werden sollten. Das würde zu Widerstand führen." Segerath forderte Vorstandschef Heinrich Hiesinger auf, bei den Beschäftigten für Klarheit zu sorgen.

Zweitgrößter Stahlkonzern

Tata Steel und Thyssenkrupp hatten am Wochenende Gespräche bestätigt. Bei einer Fusion würde der zweitgrößte europäische Stahlkonzern nach ArcelorMittal entstehen. Tata will nach eigener Aussage ausloten, inwiefern ein mögliches Joint Venture realisierbar sei. Allerdings befänden sich die Gespräche noch in einem frühen Stadium. Auch werde mit weiteren Playern gesprochen.

Thyssenkrupp-Chef Hiesinger macht sich seit Monaten für Zusammenschlüsse in der unter Überkapazitäten und Billigimporten aus Asien leidenden Schwerindustrie stark. "Aufgrund der extrem angespannten wirtschaftlichen Situation hält Thyssenkrupp eine Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie für erforderlich", hatte der Konzern am Wochenende erklärt. Die Aktie von Thyssenkrupp legte am Montag zeitweise um sechs Prozent zu.

28.000 Stahlkocher

"Wir sehen nicht, was durch einen Zusammenschluss mit Tata für uns besser werden soll", sagte Stahlbetriebsratschef Günter Back zu Reuters. "Das muss Herr Hiesinger uns erklären." Die rund 300 Betriebsräte der Stahlsparte wollen sich Back zufolge in der zweiten Augustwoche in Duisburg treffen, um über die Lage zu beraten. Dabei gehe es auch um die Frage, ob es zu Restrukturierungen im europäischen Stahlbereich komme. Thyssenkrupp beschäftigt dort rund 28.000 Mitarbeiter. (APA/Reuters, 11.7.2016)

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