83 Kinder über Gleise geführt: Lehrerinnen sollen entlassen werden

11. Juli 2016, 13:42
2642 Postings

Laut Wiener Stadtschulrat Disziplinarverfahren gegen weitere Pädagogin – FPÖ stellt sich hinter Lehrkräfte

Wien/Leobendorf – Für jene vier Lehrerinnen einer Wiener Volksschule, die bei einem Ausflug Kinder über einen geschlossenen Bahnübergang in Leobendorf in Niederösterreich gelotst haben, gibt es Konsequenzen. Drei von ihnen habe man aufgrund "schwerwiegender Dienstpflichtverletzungen" die Entlassung angekündigt, teilte der Wiener Stadtschulrat am Montag mit. Gegen die vierte Lehrerin wird ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Über die weitere Vorgangsweise werde nach Abschluss des Strafverfahrens entschieden, hieß es. Die Frauen sollen am 28. Juni 83 Volksschüler bei geschlossenen Schranken über die Gleise geführt haben – um einen Zug zu erreichen. Nun wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Gemeingefährdung ermittelt.

Die Pädagoginnen seien "unmittelbar" nach Bekanntwerden des Vorfalls vorgeladen worden, hieß es in der Stellungnahme des Stadtschulrats. Danach seien dienstrechtliche Schritte eingeleitet worden.

Lehrerinnen haben Pflicht zur Abwehr von Gefahren

"Für Schulveranstaltungen wie zum Beispiel Schulausflüge gibt es für alle Schulen klare rechtliche Vorgaben", betonte der Stadtschulrat. Wesentlich seien dabei die Gewährleistung der körperlichen Sicherheit der Schüler und die Abwehr von Gefahren.

Die Frauen sollen die Kinder der ersten bis vierten Schulstufe bei geschlossenem Schranken über die Gleise gelotst haben, um den Zug nach Wien nicht zu versäumen. Wenig später soll ein Regionalzug den Bahnhof ohne Halten durchfahren haben, berichteten Zeugen.

Für eine versäumte Schnellbahn hätte es wohl keine Konsequenzen gegeben: Ausflüge in der Volksschule dürften zwar nur maximal fünf Stunden dauern, aber "Verspätungen sind selbstverständlich zu tolerieren", erklärte der Stadtschulrat.

Inzwischen hat sich in die Causa auch die Volksanwaltschaft eingeschaltet. "Das Lehr- und Begleitpersonal hat für die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler zu sorgen, hier dürfte das Gegenteil der Fall gewesen sein", begründete die Volksanwaltschaft ihren Schritt.

"Einmaliges Fehlverhalten"

Die Wiener FPÖ hat sich am Dienstag gegen die angekündigten Entlassung ausgesprochen. Der blaue Stadtschulratsvizepräsident Bernd Saurer appellierte per Aussendung an den Stadtschulrat, "die Entscheidung nochmals zu überdenken". "Ich möchte den Vorfall nicht auswalzen. Es war einfach saublöd und damit Schluss. Die Reaktion des Stadtschulrates ist mir allerdings fremd", stellte Saurer fest. Denn neben der rechtlichen Komponente sei auch die menschliche miteinzubeziehen. Und es liege kein Vorsatz- oder Schädigungsdelikt vor. Niemand habe die Schülerinnen und Schüler einer aktuellen Gefahr aussetzen wollen."

Der Elternverein der Wiener Schule stellte sich bereits am Montag hinter die Lehrkräfte. Man sei bereit, diesen das pädagogische Vertrauen entgegen zu bringen, "um unsere Kinder weiterhin zu unterrichten und zu betreuen", hieß es am Montag in einer Aussendung des Vereins.

"Wir sind überzeugt, dass es sich bei diesem Vorfall um ein einmaliges Fehlverhalten gehandelt hat", wurde betont. Derartiges sei bisher noch nie passiert: "Wir kennen und schätzen unsere Pädagoginnen als verantwortungsbewusste, hervorragende Lehrerinnen."

Der Verein appellierte, dies bei der weiteren Vorgangsweise mitzubedenken: "Als Vertretung der betroffenen Eltern können wir hiermit nur alle Beteiligten an der Entscheidungsfindung über strafrechtliche und disziplinäre Konsequenzen aufrichtig bitten, die mehrheitliche Meinung der Eltern und Kinder bei der Entscheidung zu berücksichtigen. Denn schließlich geht es um unsere Kinder." (APA, red, 11.7.2016)

Share if you care.