Herder steigt ein: Neuer Eigentümer für Buchhandelskette Thalia

11. Juli 2016, 11:54
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Vor 20 Jahren verkaufte die alteingesessene Verlegerfamilie Herder ihre Buchhandlungen, jetzt nimmt sie sie zurück

Hamburg – Deutschlands größte Buchhandelskette Thalia bekommt neue Besitzer. Ein Eigentümerkonsortium um die Verlegerfamilie Herder übernimmt die Mehrheitsbeteiligung des Finanzinvestors Advent International an dem Buchhändler, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehr als 280 Buchhandlungen betreibt.

Das teilten Advent, Thalia und Herder am Montag in einer gemeinsamen Mitteilung mit. Die Unternehmerfamilie Kreke bleibt auch künftig als Minderheitsaktionär an Thalia beteiligt. Zum Kaufpreis machten die Unternehmen keine Angaben. Die Übernahme muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Bewegte Geschichte

Die Familie Herder ist eine der ältesten Verlegerfamilien im deutschsprachigen Raum. Vor 20 Jahren verkaufte sie ihre gleichnamigen Buchhandlungen an die Familie Kreke, die sie später in die heutige Thalia integrierte.

Thalia war einst Teil des Douglas-Konzerns. Dieser konzentriert sich mittlerweile aber auf sein Kerngeschäft mit Parfümerien, Thalia verblieb bei Advent und den Douglas-Gründern Kreke. Gemeinsam hatten sie dann an der Neuausrichtung der einst kriselnden Buchhandelskette gearbeitet. "Thalia steht (...) wieder auf wirtschaftlich gesunden Füßen und wächst aus eigener Kraft", sagte Advent-Manager Ranjan Sen. Thalia stehe für "den Erhalt der innerstädtischen Lesekultur", betonte der neue Miteigner Manuel Herder.

Konkurrenzdruck von Amazon

Thalia ist mit mehr als 280 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Branchenprimus im deutschsprachigen Raum. Die Kette hatte in der Vergangenheit massiv unter der Konkurrenz von Onlinehändlern wie Amazon gelitten. Das klassische Buch geriet in den Hintergrund, E-Books gewannen an Popularität. Thalia schloss rund 20 Filialen, modernisierte seine Geschäfte und das Sortiment und setzte auf das elektronische Lesegerät Tolino, das Amazons Kindle Paroli bieten soll. Kreke und Advent zielten zudem darauf ab, das Geschäft im Internet und den Filialen stärker miteinander zu verzahnen. Im Oktober hatte Thalia-Chef Michael Busch die Sanierung für beendet erklärt – die Kette wolle nun auf Wachstumskurs gehen.

"Für unser Unternehmen beginnt ein neues Kapitel", erklärte Busch nun. "Wir gewinnen eine unternehmerische, langfristig ausgerichtete Eigentümerstruktur." Über den Kaufpreis vereinbarten die beteiligten Parteien Stillschweigen. Einem Insider zufolge hat die Transaktion ein Volumen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. (APA, 11.7.2016)

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