"Pokémon Go" katapultiert Nintendo in die Smartphone-Ära

11. Juli 2016, 14:18
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App erstürmt die Stores von Apple und Google –Befreiungsschlag für Nintendo nach Flautejahren

Rund eine Woche nach dem Start ist der Hype um das Smartphone-Game "Pokémon Go" ungebrochen. Das Spiel erwies sich schon in den ersten Tagen als derart populär, dass Entwickler Niantic den offiziellen Start in europäischen Märkten aufgrund überforderter Server-Infrastruktur vorerst auf undefinierte Zeit verschieben musste.

In den USA, wo das Spiel vor der Unterbrechung des Roll-outs regulär auf Apple iTunes und im Google Play Store zu finden war, erweist sich die Augmented-Reality-Monsterjagd als Hit, wie einige Statistiken von Similarweb zeigen.

foto: pokémon go deutschland (inoff.)/facebook

Monster schlagen Tinder

Zwei Tage nach seiner Veröffentlichung fand sich das Game bereits auf 5,16 Prozent aller Android-Geräte, dokumentiert man dort. Das mag sich nach wenig anhören, entspricht aber Installationsbasis von mehreren Millionen. Insgesamt soll es laut Marktforschern über 100 Millionen Android-Nutzer in den Vereinigten Staaten geben.

Damit hat "Pokémon Go" auch schon einige bekannte Apps hinter sich gelassen. Darunter auch die Dating-App Tinder, die es gerade einmal auf die Hälfte der Verbreitung bringt.

Wird länger genutzt als Whatsapp

Auch was die Messzahlen für aktive Nutzer pro Tag angeht, boomt das Spiel. Der Anteil jener US-Android-Nutzer, die regelmäßig auf Monsterjagd gehen, lag am 8. Juli bereits bei drei Prozent. Mittlerweile könnte das Spiel damit sogar schon Twitter überholt haben. Am selben Tag lag das Social Network bei knapp über 3,5 Prozent an aktiven Nutzern.

Was die tägliche Verwendungsdauer angeht, hat "Pokémon Go" bereits etablierte Social Media- und Messenger-Apps abgehängt. Mehr als 43 Minuten verbringen die US-Spieler damit, Monster zu fangen. Whatsapp, der erfolgreichste aller Messenger, wird im Vergleich pro Tag nur eine halbe Stunde lang verwendet. Mit 25, 23 und 13 Minuten liegen auch Instagram, Snapchat und der Facebook Messenger klar dahinter.

Ansturm auf APKMirror

Von der hohen Nachfrage, aber der offiziell limitierten Verfügbarkeit, profitiert besonders eine Website: APKMirror.com. Dort war bereits zum Erscheinungstag das Android-Installationspaket von "Pokémon Go" zu haben. Dieses ermöglicht es auch Spielern aus offiziell noch nicht unterstützten Märkten, sich in die virtuelle Welt der Pokémon zu begeben.

Kurz nach dem Release des Spieles explodierten laut Similarweb die Zugriffe auf die Seite. Binnen eines Tages versechsfachte sich der Traffic. Die meisten Zugriffe auf die Seite kamen von außerhalb der USA, was angesichts der von Niantic limitierten Verfügbarkeit nicht verwundert.

Aktive Spielerbasis in Österreich

Subjektiv beobachtet gibt es auch schon in Österreich – hierzulande ist das Game nach wie vor offiziell noch nicht gestartet – eine beachtliche aktive Spielerschaft. Diese dürfte sich aktuell zu guten Teilen aus aktiven oder ehemaligen Spielern von "Ingress" zusammen setzen.

"Ingress" ist das erste Spiel von "Pokémon Go"-Entwickler Niantic und diesem in vielerlei Hinsicht ähnlich. Eine Beschreibung des Pokémon-Games findet sich im GameStandard-Artikel zur Betaversion.

Von Überfällen und Memes

Die hohe Verbreitung von "Pokémon Go" hatte auch schon so manche kollaterale Effekte. Youtuber gerieten bei ihrer Monsterjagd unter Beschuss durch einen aufgebrachten Grundstücksbesitzer, eine junge Frau fand auf ihrem Abenteuer eine Wasserleiche und Räuber nutzten bereits die Spielmechanik aus, um arglose Opfer anzulocken.

Auch für erste Memes hat das Spiel bereits gesorgt. So gibt es die scherzhafte Verschwörungstheorie, dass "Pokémon Go" bloß der nächste Versuch von Nintendo sei, die eigenen Spieler dazu zu bringen, Bewegung an der frischen Luft zu praktizieren.

Befreiungsschlag für Nintendo

Nachdem Nintendo in den vergangenen Jahren nur selten mit Erfolgsmeldungen punkten konnte und die Verkaufszahlen der aktuellen Wohnzimmer Wii U weit unter den Erwartungen liegen, könnte man mit "Pokémon Go" nun ein neues Geschäftsfeld erschließen. Die App selber wird kostenlos angeboten, Spieler können jedoch virtuelle Währung gegen Echtgeld erwerben und damit dann verschiedene nützliche Gegenstände kaufen. Der Run auf das Spiel hat die Aktie von Nintendo zuletzt stark nach oben schnellen lassen.

Andere Unternehmen sind auf mobilen Endgeräten schon länger mit Free-2-Play-Spielen erfolgreich – beispielsweise Supercell, das mit Games wie "Clash of Clans" und "Clash Royale Millionen von Spielern unterhält. (gpi, 11.07.2016)

  • Kein Schmäh: In der Mariahilfer Straße leben Krabben.

    Kein Schmäh: In der Mariahilfer Straße leben Krabben.

  • Ist "Pokémon Go" einfach nur ein Sportprogramm von Nintendo?
    foto: pokémon go deutschland (inoff.)/facebook

    Ist "Pokémon Go" einfach nur ein Sportprogramm von Nintendo?

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