Die Stabübergabe an Russland

11. Juli 2016, 11:10
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2018 lädt Russland zum ballesterischen Ballyhoo. Das riesige Land verspricht herzliche Gastfreundschaft. Nicht alle Gäste können sich aber eine diesbezügliche Skepsis verkneifen

Paris/Moskau – In zwei Jahren, 2018, wird die Fifa – die sich aus mammonitischen Gründen diese Sache eingebrockt hat – vor einer ganz besonders kniffligen Herausforderung stehen: den Fußball bloß Fußball sein zu lassen und nicht Spielball.

WM-Veranstalter Russland ist ja nicht irgendwer, sondern geradezu das andere von der Nato, die sich ihrerseits gerade hinaufmanövriert, während die Russen zurückmanövrieren. Und dann wäre auch zu bedenken Donezk (nicht bloß Schachtar, die im Kiewer Exil ballestern), die Halbinsel Krim und der Minsker Prozess. Während auf der anderen Seite Angelegenheiten wie Joseph Blatter als Vergeber auch nicht vergessen werden sollten.

"In den Stadien prügeln Hooligans, im Parlament sitzen Nationalisten, auf dem Land hetzen Rassisten", so beschreibt der deutsche Sport-Informationsdienst (sid) das Austragungsland des nächsten Großereignisses, der 21. Weltmeisterschaft.

Tatsächlich haben russische Hooligans in Marseille ziemlich hingehaut. Freilich sagt man durchaus, sie hätten das – in Absprache mit den englischen Kollegen im Ungeiste – deshalb getan, weil sie es in Frankreich noch hätten tun können im Gegensatz dann zu Russland. Dort regiere – nicht nur diesbezüglich, aber diesbezüglich auch – die Putin' -sche Hand. Was heißt? Faust!

Dieser Staatspräsident Wladimir Putin verurteilte denn auch eilfertig die Krawalle am Mittelmeer als "Schande". Wollte oder konnte sich aber auch – so ist das halt, wenn einer ein echter Mann ist, der barbrüstig auf Steppenpferden dahinreitet – nicht verkneifen anzumerken: "Ich verstehe wirklich nicht, wie 200 von unseren Fans tausende Engländer aufgemischt haben sollen."

Watschentanz

Nun ja, man watscht einander gewohnheitsmäßig auch in Russland. In den Stadien der russischen Liga kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Dunkelhäutige Spieler werden verunglimpft. Und in ländlicher Gegend verabredet man sich – so ist's Brauch bei Hooligans und Hooligänschen – regelmäßig zum Watschentanz. Das stört Behörden denkbar wenig, sodass sich das als eine Art Folklore etablieren konnte. Der Hooligan-Experte und Filmemacher Wladimir Koslow meint: "Es gibt keine Statistiken, nur Schätzungen. Die genaueste Zahl, zu der wir gekommen sind, ist, dass es ein paar Tausend aktive Hooligans in ganz Russland gibt."

Besonders besorgt ist man – die Organisation Fare Network, die mit Unterstützung von Uefa und Fifa gegen Diskriminierung kämpft – um Fans aus afrikanischen oder asiatischen Ländern. Da gäbe es rassistisches Gefährdungspotenzial. Und wie vor den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi, wo 2018 auch gespielt wird, mahnen verschiedene Organisationen vor der offensiven Feindseligkeit gegenüber Homosexuellen.

Das will der neue, beschworenerweise nicht korrupte Fifa-Präsident so nicht stehen lassen. "Russland wird die Fans in zwei Jahren willkommen heißen", verkündet Gianni Infantino, "und der Aspekt Sicherheit hat für Russland höchste Priorität."

Seit der Vergabe im Dezember 2010 "entwickeln die russischen Behörden ein Sicherheitskonzept, basierend auf den Erfahrungen von den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 und anderen Großveranstaltungen". Die Nagelprobe gibt es schon im nächsten Jahr beim Confed-Cup. (sid, red, 11.7. 2016)

  • Der Ball rollt immer weiter und weiter, jetzt einmal ins Russische.
    foto: afp/guyot

    Der Ball rollt immer weiter und weiter, jetzt einmal ins Russische.

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