"Wie Medien um Glaubwürdigkeit kämpfen": Nur nicht hudeln!

11. Juli 2016, 07:00
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Haben die Medien ihr Vertrauen verspielt? Die Antworten in der Doku sind auf dünnem Eis gebaut: Denn "die Medien" ist ein weites Feld

42 Prozent der Bevölkerung in Deutschland halten die eigenen Medien für unglaubwürdig – in einem Land ohne Zensur eine ernüchternde Quote. Was läuft schief? Eine NDR-Dokumentation (ARD, 11.7., 23 Uhr) fragt, wie es so weit kommen konnte. Sie entkräftet ihren Auftrag aber vorweg mit dem Bekenntnis, dass früher das Vertrauen noch dürftiger gewesen sei.

Vertrauen verspielt? Wie Medien um Glaubwürdigkeit kämpfen ist auf dünnem Eis gebaut und operiert mit einer ungenauen Frage. Denn "die Medien" sind ein weites Feld. Wer vom Boulevard bis zum seriösen Journalismus alles in einen Topf wirft, kann keine ungeteilte Zustimmung erwarten. Zum anderen, so stellt sich in der Sendung heraus, beziehen sich die Misstrauensbekundungen auf ganz konkrete Nachrichtenthemen, denen man – je nach Perspektive – Kampagnenjournalismus unterstellt. So sei etwa die Flüchtlingsnot zu euphorisch-leichtfertig dargestellt oder im Ukraine-Konflikt einseitig berichtet worden.

Chefredakteure räumen nicht gerade Fehler ein, bekunden aber, mehr auf die Lebensrealität der Empfänger eingehen zu wollen. Denn – und auch das nimmt der Sache den Wind aus den Segeln – das Interesse an Nachrichten sei noch nie so groß gewesen, junge Menschen seien geradezu Newsjunkies.

Dass aber eine Falschmeldung sogar in der "Tagesschau" landet, da ein Polizeibericht ungeprüft übernommen wurde (Migranten bedrohen Frau in Supermarkt), ist peinlich. Das nennt Medienprofessor Carsten Reinemann (Uni München) "Hudeljournalismus", der der falschen Annahme entspringe, seriöse Recherche müsse sich den schnellen Zeiten anpassen. Reinemann sagt gar: "Man muss langsamer werden." (Margarete Affenzeller, 11.7.2016)

  • Ob Medien ihr Vertrauen verspielt haben, fragt die ARD-Doku am 11. Juli um 23 Uhr in der ARD.
    foto: apa/dpa/bernd von jutrczenka

    Ob Medien ihr Vertrauen verspielt haben, fragt die ARD-Doku am 11. Juli um 23 Uhr in der ARD.

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