Bank Austria: Abspaltung des Ostgeschäfts wackelt

10. Juli 2016, 15:23
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Bankenaufsicht will laut Medienberichten vorliegendem Vorschlag so nicht zustimmen

Wien/Mailand – Die geplante Abspaltung des Osteuropageschäftes der Bank Austria unter das Dach ihrer italienischen Konzernmutter UniCredit könnte noch an den Behörden scheitern. Die Bankenaufsicht will dem vorliegenden Vorschlag so nicht zustimmen, berichten die "Wiener Zeitung" und der "Kurier" am Wochenende. Die Bank dementiert: Die Übertragung der Osteuropa-Sparte werde bis Jahresende abgeschlossen werden.

Die Ostbankensparte (CEE-Sparte) soll wie berichtet zunächst aus Wien abgespalten und dann auf die UniCredit Mailand verschmolzen werden. Neben den organisatorischen CEE-Bereichen sollen sämtliche 13 osteuropäische Bank Austria-Tochtergesellschaften samt ihren Rechten und Verpflichtungen von Wien nach Mailand gehen, so der bisherige Plan. Voraussetzung dafür ist, dass die Aufsichtsbehörden – Finanzmarktaufsicht FMA, Nationalbank und Europäische Zentralbank (EZB) – ihr Okay geben. Die neue Struktur soll ab 1. Oktober gelten. Am 1. August stehen die Hauptversammlungsbeschlüsse in Wien an.

Aus Bankenkreisen ist laut "Wiener Zeitung" aber jetzt zu hören, dass die auf eine "Österreich-Bank" reduzierte Bank Austria in dieser Form kein "nachhaltiges Geschäftsmodell" vorweisen könne. Außerdem würde die Bank Austria wegen des Kapitalabflusses zur italienischen Mutter UniCredit die erforderlichen Kapitalvorschriften nicht erfüllen. Die Aufsicht habe sehr bestimmte Grenzen vorgegeben und wolle "ganz bestimmt nicht" unter elf Prozent, schreibt auch der "Kurier" (Sonntagsausgabe). Auch wenn die Bank Austria künftig weniger Risikokredite in ihrem Portfolio habe, werde man nicht zulassen, dass die Bank von Italien "ausgebandelt" werde, heißt es laut Zeitung bei den Aufsehern.

Kapitalprobleme

In der für die mittlerweile 129 größten Banken zuständigen Aufsichtsbehörde in der Europäischen Zentralbank (EZB) würden deshalb schon die Alarmglocken läuten, denn die UniCredit habe selbst erhebliche Kapitalprobleme. Derzeit sei die Bank knapp über 11 Mrd. Euro wert, und in etwa genau so hoch sei auch ihr Kapitalbedarf. Es handle sich also um eine "mission impossible", so die "Wiener Zeitung". Dazu kämen noch die generellen und erheblichen Schwächen des italienischen Bankensystems, die mittlerweile europaweit bedrohliche Ausmaße annehmen. Für die Bankenaufsicht Grund genug, besonders kritisch hinzuschauen.

"Die Durchführung der CEE-Übertragung ist voll im Gange und wird erwartungsgemäß – wie bekannt gegeben – bis Ende des Jahres abgeschlossen werden", so Bank Austria-Sprecher Martin Halama am Sonntag in einer schriftlichen Stellungnahme zur APA. Die Bank habe die regulatorischen Kapitalanforderungen in der Vergangenheit immer überfüllt und werde dies auch in Zukunft tun. "Die Bank Austria hat ein nachhaltig profitables Geschäftsmodell, das mit dem erst kürzlich gestarteten Programm zur Neuausrichtung der Bank, mit dem wir zur attraktivsten Bank für Kunden des 21. Jahrhunderts werden wollen, weiter gestärkt werden wird. Darüber hinaus kommentieren wir Gerüchte grundsätzlich nicht", so Halama.

Laut "Wiener Zeitung" kann derzeit als fix angenommen werden, dass der vorliegende Plan zur Restrukturierung der Bank Austria so nicht bewilligt wird – was den Hauptversammlungsbeschluss am 1. August hinfällig machen würde. Möglicherweise werde der neue UniCredit-Chef Jean-Pierre Mustier den Restrukturierungsplan auch verwerfen und das lukrative Osteuropa-Geschäft verbleibt in der Wiener Bank. Investmentbanker würde es auch für möglich halten, dass Mustier in großem Stil Banken-Beteiligungen verkauft. Denkbar – aber nicht wahrscheinlich – wäre es, dass die Bank Austria komplett zum Verkauf gestellt werde.

Verkaufsspekulationen

Ein Verkauf der Bank Austria würde allerdings auch die heimische Politik ins Spiel bringen. "Es kann einer Regierung nicht egal sein, wem die größte Bank des Landes gehört", sei aus Regierungskreisen in Wien zu hören. In Teilen der österreichischen Politik gebe es auch den vagen Plan, die Bank Austria an die Börse zu bringen. Das hätte allerdings aufgrund der geltenden Bilanzregeln nur dann Sinn, wenn die UniCredit dabei alle Anteile verkaufe. Ob sie sich das leisten könne, werde von Investmentbankern in Frage gestellt, denn die 14 Ost-Länder (inklusive Türkei) erwirtschaften die Hälfte des Unicredit-Gewinns. Und neben den Kapital- auch noch Ertragsprobleme hinzunehmen, klinge nach "Quadratur des Kreises".

Laut "Kurier" ist noch ein weiterer Punkt ungeklärt, nämlich was die rund 500 Mitarbeiter betrifft, die in Wien für die Osteuropa-Töchter zuständig sind und hier bleiben sollen. Voraussetzung dafür sei aber, dass diese Einheit keine Bankenkonzession benötige. Sollte die Aufsicht allerdings eine Konzession für notwendig halten, sei die UniCredit nicht gewillt, diese Auflage zu erfüllen. Die Belegschaft müsste nach Italien übersiedeln. (APA, 10.7.2016)

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