EM-Bronze für Dadic im Siebenkampf

9. Juli 2016, 21:14
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Oberösterreicherin stellt in Amsterdam mit 6.408 Punkten neuen Rekord auf, der dritte Platz bedeutet auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele

Amsterdam – Ivona Dadic hat am Samstag bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Amsterdam die Bronzemedaille im Siebenkampf gewonnen. Die 22-jährige Oberösterreicherin brachte es nach dem abschließenden 800-m-Lauf auf 6.408 Punkte und qualifizierte sich mit dem neuen österreichischen Rekord auch für die Olympischen Spiele in Rio.

Gold ging mit ebenfalls nationalem Rekord von 6.626 Punkten an die Niederländerin Anouk Vetter, Silber sicherte sich mit 6.458 die Französin Antoinette Nana Djimou. Die Niederländerin Nadine Boersen, die vor den 800 m nur 15 Punkte hinter Dadic lag, verzichtete wegen Magenproblemen auf ein Antreten in der Abschlussdisziplin. Verena Preiner (21) landete mit persönlicher Bestleistung von 6.050 auf einem ebenfalls starken siebenten Platz.

Es ist die neunte Medaille für Österreich in der Geschichte von Freiluft-Kontinentaltitelkämpfen, zuletzt gab es 2012 in Helsinki Bronze für Hürdensprinterin Beate Schrott.

Mit Edelmetall hatte Dadic nach eigenen Worten nicht spekuliert. Jedoch meinte sie vor dem 800-m-Lauf: "Ich werde um mein Leben rennen. Wenn ich jetzt schon so nah dran bin, will ich mir die Medaille nicht gerne nehmen lassen." Das gelang, und so gab es 47 Jahre nach Lise Prokop 1969 in Athen im Fünfkampf wieder eine EM-Medaille im Mehrkampf für einen österreichischen Athleten.

Durch die Bank stark

Dadic zeigte in allen sieben Disziplinen bessere Leistungen als im Mai in Götzis, wo sie mit dem damaligen österreichischen Rekord von 6.196 Punkten nur vier Zähler an der Rio-Norm vorbeigeschrammt war. Souverän steckte die großgewachsene Athletin am Freitag auch einen – allerdings einer Konkurrentin zugeschriebenen – Fehlstart in der Auftaktdisziplin 100 m Hürden weg. Und ebenso eine leichte Blessur im samstägigen Weitsprung, aufgrund derer sie auf den dritten Versuch verzichtete.

Dadic nützte in Amsterdam auch die Gunst der Stunde. Wegen der Sommerspiele im August hatten einige Topathletinnen auf ein EM-Antreten verzichtet. So die britische Olympiasiegerin Jessica Ennis-Hill und ihre Landsfrau Katarina Johnson-Thompson, die Lettin Laura Ikauniece-Admidina, die Deutschen Carolin Schäfer und Claudia Rath, oder die Belgierin Nafissatou Thiam. (APA, red, 9.7.2016)

Leichtathletik-EM in Amsterdam, Siebenkampf, Samstag

1. Anouk Vetter (NED) 6.626 Punkte
(100 m Hürden/13,29; Hoch/1,74; Kugel/15,69; 200 m/23,89; Weit/6,38; Speer/55,76; 800 m/2:21,50)
2. Antoinette Nana Djimou (FRA) 6.458
(13,26/1,71/16,17/24,92/6,31/51,72/2:19,33)
3. Ivona Dadic (AUT) 6.408 (ÖR)
(13,83/1,77/14,10/24,11/6,32/47,92/2:12,83)

Weiters:
7. Verena Preiner (AUT) 6.050
(13,94/1,71/13,51/24,64/5,68/48,31/2:12,03)

Zur Person: Ivona Dadic

Geboren: 29. Dezember 1993 in Wels
Wohnort: Wels
Größe/Gewicht: 1,83 m/64 kg
Verein: Union St. Pölten
Trainer: Gregor Högler, Inga Babakowa, Philipp Unfried, Wolfgang Adler

Größte Erfolge:
EM: Bronze Amsterdam 2016
Olympia: 25. London 2012
U23-EM: Bronze Tallinn 2015, Fünfte Tampere 2013
U20-WM: 10. Tallinn 2011
U18-WM: 10. Brixen 2009
Olympische Jugendspiele: Weitsprung-6. Singapur 2010

Stimmen:

Ralph Vallon (ÖLV-Präsident): "Eine Sternstunde für Österreichs Leichtathletik. Nach Beate Schrott hat sich der ÖLV die zweite EM-Medaille in den vergangenen Jahren erarbeitet. Diese Medaille ist ein Beweis dafür, was mit hartem Trainingsfleiß der Athletin und gezielter Verbandsarbeit möglich ist."

Gregor Högler (ÖLV-Vizepräsident und -Nationaltrainer): "Ivi hat in allen Disziplinen auf hohem Niveau ihre Leistung gebracht. Genau das ist das Wesen des Mehrkampfes, das man auf hohem Niveau abliefert. Ich bin beeindruckt, dass sie es so gebracht hat. Aber natürlich haben wir im Training schon gesehen, dass es gut läuft."

Helmut Baudis (ÖLV-Generalsekretär): "Eine phänomenale Leistung von Ivi. Sie hat genau auf den Punkt ihre Topform ausgespielt. Es ist schön zu sehen, was möglich ist, wenn alle zusammen arbeiten und man international gut vernetzt ist."

  • Die drittplatzierte Ivona Dadic (rechts) neben Antoinette Nana Djimou (Frankreich, 2.) und der neuen Europameisterin Anouk Vetter (Niederlande).
    foto: reuters/kooren

    Die drittplatzierte Ivona Dadic (rechts) neben Antoinette Nana Djimou (Frankreich, 2.) und der neuen Europameisterin Anouk Vetter (Niederlande).

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