Labour: Angela Eagle will Corbyn stürzen

9. Juli 2016, 20:23
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Ex-Gewerkschafterin wird sich am Montag bewerben – Eagle wirft dem Parteichef Halbherzigkeit im Brexit-Wahlkampf vor

London – Die britische Labour-Abgeordnete Angela Eaglewill dem umstrittenen Parteivorsitzenden Jeremy Corbyn den Chefposten entringen. Die 55-jährige Ex-Gewerkschafterin erklärte am Samstag nach einem gescheiterten Schlichtungsverfahren, sie werde am Montag offiziell ihre Bewerbung um den Parteivorsitz einreichen. Der 67-Jährige reagierte betont gelassen und sagte, er sei "keinem Druck" ausgesetzt.

Eagle zählte zu Corbyns Schattenkabinett, bevor eine parteiinterne Revolte gegen ihn losbrach. Nach dem Votum für den EU-Austritt des Landes beim Referendum am 23. Juni geriet der Parteichef unter Druck. Ende Juni stimmten nur 40 Labour-Abgeordnete in einer Vertrauensabstimmung für ihn, 172 aber gegen ihn. Corbyn blieb dennoch im Amt und verwies darauf, dass er von den Parteimitgliedern mit großer Mehrheit gewählt worden sei.

Falls Eagle sich im Führungskampf in der Labour-Partei durchsetzt, wäre es das erste Mal, dass eine bekennende homosexuelle Persönlichkeit an die Spitze einer großen britischen Partei tritt. Eagle gehört zum linken Labour-Flügel und hielt zu den früheren Parteichefs Tony Blair und Gordon Brown Distanz.

Corbyn bei Gewerkschaftsfest

Eagle warf Corbyn in der Debatte über den EU-Verbleib "Halbherzigkeit" vor. In derart "turbulenten Zeiten" werde als Parteichef jemand gebraucht, der "eher einen als spalten" könne. Corbyn sagte bei der Durham Miners' Gala, einem traditionellen Gewerkschaftsfest, es gebe "keinen Druck" auf ihn.

Jeremy Corbyn gibt sich zuversichtlich

"Echter Druck ist, wenn man nicht genug Geld hat, um seine Kinder zu ernähren, wenn man kein Dach über dem Kopf hat", sagte der Labour-Vorsitzende.

Corbyn hatte im vergangenen September bei einer Urwahl für den Parteivorsitz 59,5 Prozent der Stimmen bekommen. Der Chef der größten britischen Gewerkschaft Unite, Len McCluskey, warnte, es werde eine "dauerhafte Spaltung" der Partei geben, wenn Corbyn zehn Monate nach seiner Wahl daran gehindert werden sollte, seinen Parteivorsitz zu verteidigen.

In den Führungsstreit bei Labour könnte sich auch der walisische Abgeordnete Owen Smith einschalten. Smith teilte mit, er wolle "so schnell wie möglich" mit Corbyn zusammentreffen, um alle Mittel zur "Rettung der Partei" auszuloten. (APA, AFP, 9.7.2016)

  • Skeptischer Blick: Angela Eagle mit Parteichef Corbyn bei einer Wahlkampfveranstaltung in London, 7. Juli.
    foto: imago/i images

    Skeptischer Blick: Angela Eagle mit Parteichef Corbyn bei einer Wahlkampfveranstaltung in London, 7. Juli.

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