Bluttest-Milliardärin Holmes verliert nach Geld auch Lizenz

9. Juli 2016, 10:43
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US-Behörden entziehen Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes für zwei Jahre die Laborlizenz

New York – Letztes Jahr zählte Elizabeth Holmes noch zu den großen Gewinnern der "Forbes"-Reichenliste, im Juni hat das US-Magazin die Gründerin des einst hoch gehandelten Bluttest-Start-ups Theranos vorerst komplett abgeschrieben. Das Vermögen der 32-jährigen Unternehmerin wurde von geschätzten 4,5 Milliarden Dollar (rund vier Milliarden Euro) auf Null nach unten korrigiert worden. Holmes gehören 50 Prozent der Firma. Da sie nur gewöhnliche Anteilsscheine und keine Vorzugsaktien besitze, werde sie sich hinten anstellen müssen, falls es ans Geldverteilen gehe, hieß es zur Begründung. Doch es geht noch tiefer.

Nach dem Geld ist auch die Labor-Lizenz futsch. Die US-Behörden haben Holmes für die kommenden zwei Jahre verboten, ein Labor zu betreiben. Die Gesundheitsbehörde CMS habe "Probleme" im Theranos-Labor im kalifornischen Newark entdeckt und Holmes daher die Lizenz entzogen, teilte die Firma am Donnerstag mit. Theranos ist seit Monaten im Visier der CMS.

Theranos hatte mit dem Versprechen für Furore gesorgt, an einer geringen Menge Blut zahlreiche medizinische Tests durchführen zu können. Doch seit geraumer Zeit geht es mit Theranos ebenso steil bergab, wie es davor bergauf ging. Nicht nur, dass diverse US-Behörden ermitteln – der Vorwurf lautet, dass die Tests untauglich seien –, Theranos selbst hat laut einem Bericht des "Wall Street Journal" Ergebnisse seiner Bluttests aus den Jahren 2014 und 2015 im großen Stil für ungültig erklärt. An zehntausende Ärzte und Patienten mussten korrigierte Testergebnisse ausgegeben werden.

Das "Wall Street Journal" begann im Oktober 2015 mit der Artikelserie, in der die Zuverlässigkeit der verwendeten Technologie in Frage gestellt wurde. Die Gesundheitsbehörde CMS erklärte im Jänner, die Praktiken von Theranos seien eine "direkte Gefahr für die Gesundheit und die Sicherheit von Patienten" und drohte mit einem Verbot der Bluttests. Daneben ist Theranos im Visier der US-Börsenaufsicht SEC sowie von Ermittlern in Kalifornien. Hier geht es um mögliche Schädigung von Investoren. Außerdem drohen Theranos auch Sammelklagen von Patienten. (APA, red, 9.7.2016)

  • Blutjung und erfolgreich – eine Karriere, wie sie in Palo Alto gerne gesehen wird. Jetzt geht es allerdings ziemlich rapide bergab.
    foto: reuters/allegri

    Blutjung und erfolgreich – eine Karriere, wie sie in Palo Alto gerne gesehen wird. Jetzt geht es allerdings ziemlich rapide bergab.

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