"Bomben-Roboter" tötete mutmaßlichen Schützen

8. Juli 2016, 20:32
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Nicht nur in den USA werden Roboter für die Polizei entwickelt

Washington – Der mutmaßliche Heckenschütze von Dallas wurde von der Polizei durch einen mit Sprengstoff ausgerüsteten Roboter getötet. Es ist ein Detail, das am Rande des Entsetzens über den Anschlag für viel Aufsehen sorgt. Denn offenbar war es das erste Mal, dass die US-Polizei einen Roboter auf diese Art einsetzte.

Die Polizei hatte den mutmaßlichen Täter stundenlang in einer Parkgarage umzingelt. Es kam zu Schusswechseln. Schließlich hätten die Einsatzkräfte "keine andere Option" gesehen, als ihren "Bomben-Roboter" einzusetzen, um weitere Gefahr für das Leben der Beamten abzuwenden, sagte der örtliche Polizeichef David Brown.

Streitkräfte verwenden Roboter

Details zu dem ferngesteuerten Roboter nannte die Polizei nicht. Nach Angaben des Waffenexperten Peter Singer handelte es sich um den ersten Robotereinsatz dieser Art durch die US-Polizei. Die US-Streitkräfte im Irak hätten dagegen bereits einen Sprengstoffroboter namens "Marcrobot" eingesetzt.

Unklar ist auch, ob der in Dallas verwendete Roboter von vornherein für tödliche Einsätze dieser Art entworfen wurde. Matt Blaze, ein Informatikprofessor an der University of Pennsylvania, schrieb im Internetdienst Twitter, wahrscheinlich sei der Roboter "provisorisch" für die Tötung des mutmaßlichen Attentäters ausgerüstet worden.

Unabhängig davon, welche Art von tödlichem Gerät in Dallas eingesetzt wurde, ist davon auszugehen, dass der Einsatz von Robotern durch Polizei und Armee in gefährlichen Missionen zunehmen wird. Nicht nur in den USA wird an der Entwicklung solcher Roboter gearbeitet.

China baut Roboter gegen Unruhen

So soll ein von der chinesischen Universität für Nationale Verteidigung entwickelter Roboter namens "AnBot" eine "wichtige Rolle bei der Verstärkung der Maßnahmen gegen Terrorismus und Unruhen spielen", wie es auf der Website der Universität heißt.

"Anbot" sei speziell für Polizeipatrouillen entworfen worden, schreiben die Experten Singer und Jeffrey Lin im Magazin "Popular Science". Der Roboter ist demnach mit einer ferngelenkten Waffe ausgestattet, wahrscheinlich einem Elektroschocker. AnBot ist den Experten zufolge außerdem so groß, dass Kanister für Tränengas und andere Instrumente zur Unterdrückung von Demonstrationen darauf Platz haben.

Ein anderer Roboter, der in den USA an der Florida International University für Polizeipatrouillen entwickelt wird, wirkt dagegen vergleichsweise harmlos, zumindest auf den ersten Blick. Der Roboter, der dem "RoboCop" aus den Filmen ähnlich sehen soll, soll einem Forschungspapier zufolge zwar so "einschüchternd und Respekt gebietend" wirken können, dass die Bürger seinen Anweisungen gehorchen. Doch soll er insgesamt "freundlich" aussehen, damit sich "Bürger allen Alters" trauen, ihn anzusprechen.

Menschenrechtler sind allerdings wegen der fortschreitenden Entwicklung von Robotern für den Polizeieinsatz besorgt. Waffen für solche Roboter könnten nicht so vorprogrammiert werden, dass sie auf "alle Szenarien des Polizeieinsatzes" vorbereitet seien, heißt es in einem gemeinsamen Bericht der Organisation Human Rights Watch und der Harvard-Rechtsfakultät. Und die Roboter verfügten nicht über "menschliche Eigenschaften wie Urteilsvermögen und Empathie, die der Polizei helfen, gesetzwidrige Tötungen in unvorhersehbaren Situationen zu vermeiden". (APA, AFP, 8.7.2016)

  • Entschärfungs-Roboter der belgischen Polizei
    foto: reuters/eric vidal

    Entschärfungs-Roboter der belgischen Polizei

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