So schließt man Freundschaften: Indem man das Gleiche isst

9. Juli 2016, 11:30
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US-Forscher führten eine Reihe von Experimenten zur Vertrauensbildung durch

Chicago – Sollte es tatsächlich so einfach gehen? Psychologen der Universität Chicago glauben nach einer Reihe von Experimenten eine ebenso simple wie erfolgreiche Strategie gefunden zu haben, um beispielsweise bei einem neuen Arbeitsgeber oder auf einem ersten Date Vertrauen und Verbindlichkeit herzustellen: einfach das Gleiche essen wie das Gegenüber. Die Ergebnisse sollen im Jänner 2017 im "Journal of Consumer Psychology" erscheinen.

Strategische Süßigkeiten

Wie das Team um Ayelet Fishbach und Kaitlin Woolley schon vorab berichtet, stellten die Forscher ihre Probanden für unterschiedliche Versuche jeweils zu Paaren zusammen. Im ersten Experiment war einer der Teilnehmer ein "Fondsmanager", dem man sein Geld geben konnte, um es möglicherweise zu verdoppeln. Das setzte natürlich Vertrauen voraus. Und die Manager erhielten öfter einen Vertrauensvorschuss, wenn sie dieselbe Süßigkeit aßen wie der Investor. In einer Kontrollgruppe, in der die beiden jeweils unterschiedliche Süßigkeiten erhalten hatten, war die Vertrauensrate niedriger.

In einer zweiten Versuchsreihe mussten die Teilnehmer gewissermaßen sozialpartnerschaftlich agieren: Sie sollten Arbeitsverhandlungen führen – wieder jeweils mit obigen Kombinationen von Süßigkeiten versehen. Die Gruppe, in der beide das Gleiche aßen, kam fast doppelt so schnell zu einer Übereinkunft wie die andere.

Hemdfarbe egal

Um zu testen, ob auch andere Angleichungen zu einem ähnlichen Ergebnis führen, ließen die Forscher ihre Probandenpaare Hemden von entweder gleicher oder unterschiedlicher Farbe anziehen. Das hatte allerdings keinen vergleichbaren Effekt. Fishbach vermutet, dass wir Nahrung einfach eine höhere Bedeutung beimessen – immerhin lassen wir sie in unseren Körper, was auch einen gewissen Vertrauensakt voraussetze.

Fishbach merkte zu den Experimenten an, dass Menschen generell zur Annahme neigen, ihre Entscheidungen seien rein von Logik bestimmt. Die Versuche würden aber zeigen, dass Faktoren, die wir nur unbewusst wahrnehmen, sehr wohl einen Einfluss haben können. Die Wahl des Essens lasse sich durchaus strategisch einsetzen. (red, 9. 7. 2016)

  • An Susi und Strolch könnten wir uns ein Beispiel nehmen.
    foto: reuters/fred prouser

    An Susi und Strolch könnten wir uns ein Beispiel nehmen.

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