Brexit bremst Eurozonen-Wachstum

8. Juli 2016, 15:48
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Internationaler Währungsfonds reduziert Prognosen für 2016 bis 2018 um bis zu 0,3 Punkte

Washington/Brüssel – Der Brexit bremst nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Wirtschaftskraft der Eurozone. Das Wachstum werde nach dem Votum der Briten zum Ausstieg aus der Europäischen Union merklich geringer ausfallen als bisher erwartet, sagte der IWF am Freitag voraus.

Die Experten in Washington rechnen für 2016 nur noch mit 1,6 Prozent Wirtschaftswachstum in den Euro-Ländern, gefolgt von 1,4 Prozent 2017 und 1,6 Prozent 2018. Bisher waren sie von einem durchgehenden Plus von 1,7 Prozent ausgegangen.

Verlauf des Ausstiegs unberechenbar

Bei dieser ersten Folgenabschätzung nehme man noch ein relativ günstiges Szenario – den vollen Zugang Großbritanniens zum gemeinsamen europäischen Binnenmarkt – an, sagt der IWF-Experte Mahmood Pradhan. Sorge bereite dem IWF, dass der Ausstiegsprozess länger dauern könnte. Das stelle insbesondere ein Risiko für die Finanzmärkte dar.

Die Lage in Großbritannien könne auf die Euroländer überschwappen, warnte der IWF bei der Vorlage seiner jährlichen Analyse zur Wirtschaft der Eurozone ausdrücklich. Um entsprechende Unsicherheiten abzubauen, rieten die zuständigen IWF-Direktoren zu einem sanften und berechenbaren Übergang beim Austritt der Briten aus der EU. Bisher hat die Londoner Regierung bei der EU noch keinen formellen Antrag auf ein Ausscheiden aus der Gemeinschaft gestellt.

Britisches Konsumklima stürzt ab

Nach dem Votum für den Ausstieg aus der EU erwarten sechs von zehn britischen Verbrauchern, dass sich die wirtschaftliche Lage in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern wird. Ein Drittel gehe davon aus, dass die Preise deutlich steigen werden, wie eine Sonderumfrage des Marktforschungsinstitutes GfK eine gute Woche nach dem Referendum ergab. Insgesamt ging die Konsumstimmung der Briten laut GfK so stark zurück wie zuletzt im Dezember 1994.

Die GfK maß einen Rückgang des Konsumklimas um acht Punkte auf minus neun. Unter den Verbraucher, die für einen Verbleib in der EU stimmten, sank der Indikator sogar auf minus 13. Diejenigen, die für einen Austritt votierten, äußerten sich deutlich optimistischer; hier ging der Index nur auf minus fünf zurück. (APA/dpa/AFP, 8.7.2016)

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