AK-Frauenmonitor: 12.850 Euro weniger Einkommen bei Vollzeit

8. Juli 2016, 14:57
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Einen neuen VW-Polo könne man sich jedes Jahr um den Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern kaufen, sagt die Arbeiterkammer Oberösterreich

Die Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ) präsentiert am Freitag, ihren aktuellen Frauenmonitor und kritisiert den Gender Pay Gap bei Vollzeitjobs, die hohe Teilzeitquote, mangelnde Kinderbetreuung und traditionelle Rollenbilder in Familie und Beruf.

Die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern schließe sich nur sehr langsam. Bei ganzjähriger Vollbeschäftigung verdienten Frauen 2015 in Oberösterreich laut AK 26,8 Prozent bzw. 12.850 Euro brutto weniger als Männer.

Teilzeit nicht immer freiwillig

Nicht arbeitszeitbereinigt sei das Medianeinkommen von Frauen sogar um 38,5 Prozent niedriger als das von Männern. AK-Präsident Johann Kalliauer und Sieglinde Gahleitner, Vizepräsidentin der Gesellschaft für Arbeitsrecht und Sozialrecht, kritisieren daher bei der Präsentation des Frauenmonitors auch die geringe Vollzeitbeschäftigung von Frauen: "In den letzten zehn Jahren hat die Teilzeitarbeit bei den oberösterreichischen Frauen um ein Drittel zugenommen. Nur mehr 48,1 Prozent der Frauen in Oberösterreich arbeiten Vollzeit. Aber bei weitem nicht alle Frauen mit Teilzeitjobs arbeiten freiwillig Teilzeit."

Die AK Oberösterreich fordert daher eine lebensphasenorientierte Arbeitszeit mit Recht auf Wechsel zwischen Teilzeit und Vollzeit und Kinderbetreuungseinrichtungen, deren Öffnungszeiten mit einer Vollzeitbeschäftigung vereinbar sind. In Oberösterreich gibt es dementsprechende Einrichtungen für nur 3,6 Prozent der unter Dreijährigen.

Traditionell schlecht bezahlt

Auch traditionelle Rollenbilder seien ein Problem, so die AK. Die Erwerbstätigkeit von Frauen wirke sich nur wenig auf die innerfamiliäre Arbeitsteilung bei Haushalt und Fürsorge aus. "Aber auch professionelle 'Care'-Arbeit im Gesundheits- und Sozialbereich wird vorwiegend von Frauen geleistet. Diese verantwortungsvollen und fordernden Jobs sind nach wie vor unterbewertet und in vielen Bereichen nicht adäquat bezahlt." All diese Benachteiligungen wirken sich letztlich auch negativ auf die Pensionsansprüche von Frauen aus, schließen Kalliauer und Gahleitner. (gruk, 8.7.2016)

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    foto: apa/dpa/jens kalaene
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