Samenspende: Die Frage nach dem abwesenden Vater ist normal

12. Juli 2016, 08:00
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Wie sich durch Samenspende gezeugte Kinder bei ihren alleinerziehenden Müttern entwickeln, fragte eine aktuelle Studie. Langzeitaussagen seien nicht möglich

Immer mehr Frauen entscheiden sich dafür, als Single Mutter zu werden. Durch die moderne Reproduktionsmedizin und entsprechende Gesetzesänderungen in vielen Ländern ist das heute mittels Samenspende möglich. Eine britische Studie hat nun untersucht, wie die auf diese Weise gezeugten Kinder bis zum Alter von neun Jahren bei ihren alleinerziehenden Müttern aufwachsen und sich entwickeln.

Was denken sie über das Familienleben? Macht es einen Unterschied, ob ein durch Samenspende gezeugtes Kind im Vater-Mutter-Kind-Verband heranwächst oder mit einer alleinerziehenden Mutter? Diese Fragen standen im Zentrum der Untersuchung, die am Centre for Family Research der Universität Cambridge durchgeführt wurde.

Ausgeglichen und gut entwickelt

Die Studienergebnisse legten nahe, dass sich die durch Samenspende entstandenen Kinder gut entwickeln, ausgeglichen sind und positive Gefühle zum Familienleben haben, sagt Studienautorin Sophie Zadeh; und zwar unabhängig davon, ob sie bei ihrer alleinerziehenden Mutter aufwachsen oder in einem "klassischen" Vater-Mutter-Kind-Haushalt.

Momentaufnahme

Dass die Kinder immer wieder Fragen nach dem abwesenden Vater stellen würden, sei normal, betont Zadeh. "Wir wissen aber nicht, wie sich die Kinder in der Pubertät weiterentwickeln – oder was sie als Erwachsene darüber denken, dass sie durch eine Samenspende gezeugt wurden und ohne Vater aufwuchsen."

Die Forscherin sagt aber auch, dass über die Ausgeglichenheit der untersuchten Kindern weder die Abwesenheit des Vaters noch die Samenspendenprovenienz entscheidend sei – vielmehr zähle die emotionale Stabilität der Beziehungen innerhalb der Familie.

Die Perspektive der Kinder

In die Studie wurden mehr als 100 Familien einbezogen – darunter 51 aus einer Single-Mutter und Kind bzw. Kindern bestehende Haushalte und 52 Familien mit zwei gegengeschlechtlichen Eltern. Alle Teilnehmenden hatten zumindest ein Kind zwischen vier und neun Jahren, das durch Samenspende gezeugt wurde. Neben standardisierten Fragen zur Eltern-Kind-Beziehung wurden die alleinerziehenden Mütter auch danach gefragt, ob und wie sie mit ihren Kindern über die abwesenden Väter sprechen.

Außerdem haben 47 Kinder aus Alleinerzieherhaushalten an der Erhebung teilgenommen. Diese Kinder wurden von den Forscherinnen und Forschern zu ihren Erfahrungen innerhalb der Familie interviewt. Laut der Studienautorin handelt es sich um die erste wissenschaftliche Untersuchung, die die Perspektive von Kindern berücksichtigt, die bereits alt genug sind zu verstehen, was es bedeutet, ohne Vater aufzuwachsen. (chrit, 12.7.2016)

  • Für die Ausgeglichenheit des Kindes zählt vor allem die emotionale Stabilität der Beziehungen innerhalb der Familie, sagt Studienleiterin Sophie Zadeh.
    foto: getty images/istockphoto/evgeniiand

    Für die Ausgeglichenheit des Kindes zählt vor allem die emotionale Stabilität der Beziehungen innerhalb der Familie, sagt Studienleiterin Sophie Zadeh.

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