"Community-Polizei": Wiener Polizei sucht Sicherheitsbürger

8. Juli 2016, 15:31
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Seit April läuft das Projekt in Graz, Eisenstadt und den Bezirken Schärding und Mödling – ab August Beamte für Bürgervernetzung in Wien

Wien – Der Wiener Landespolizei-Vizepräsident Karl Mahrer sieht "eine Polizeikulturveränderung" auf Wien zukommen. Dies soll über die Jahre durch stärkere Einbindung der Bürger in die Polizeiarbeit stattfinden, um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu erhöhen. In acht Wiener Bezirken werden dazu ab August Pilotprojekte anlaufen, in deren Rahmen sogenannte Sicherheitsbürger definiert werden, bestätigte Mahrer am Freitag im STANDARD-Gespräch einen Ö1-Bericht.

Mit diesen Bürgern wolle man über Sicherheit und Sorgen kommunizieren. Ähnliche Projekte laufen – mit wissenschaftlicher Begleitung – in Graz, Eisenstadt und den Bezirken Mödling und Schärding, in Wien sollen sie zunächst im 12. , 13., 16., 17., 18., 19., 22. und 23. Bezirk starten. In der Bundeshauptstadt gibt es bereits Bürgernäheprojekte: Mahrer nennt als Beispiel Vernetzungsbeamte in Wohnhausanlagen oder eigene Beamte in und um Flüchtlingsheime. Die Kooperation mit der Bevölkerung soll aber auf neue Füße gestellt und im Laufe des kommenden Jahres flächendeckend in Wien verbreitet werden.

Polizei sucht Sicherheitsbürger aus

Als Sicherheitsbürger hält Mahrer Menschen für geeignet, die besonders gut vernetzt sind, "wie etwa der Obmann eines Kleingartenvereins oder eines Einkaufstraßenvereins". Neu sei, dass die Polizei in Absprache mit dem jeweiligen Bezirk potenzielle Sicherheitspartner auch selbst ansprechen und für diese ehrenamtliche Aufgabe gewinnen will, statt nur auf sich freiwillig meldende Personen zurückzugreifen.

Im Laufe des Jahres 2017 soll in jeder der 80 Bezirksinspektionen Wiens mindestens ein Beamter dezidiert für Vernetzungsarbeit zuständig sein – und laut Mahrer entsprechend freigespielt werden. Auch in Migranten-Communitys wolle man sich so vernetzen.

Kritik von Blauen und Grünen

FPÖ und Grüne reagierten mit Kritik auf Mahrers Ankündigung: Zwar begrüßt der blaue Vizebürgermeister Johann Gudenus grundsätzlich das Projekt, das "darf aber nicht eine Sekunde davon ablenken, dass die Bundeshauptstadt 2.000 Polizisten zusätzlich und eine Sicherheitswacht zur Entlastung der Exekutive benötigt", teilte er mit. Die Grünen zeigten sich verwundert, warum das Projekt in Wien starte, obwohl die Evaluation an anderen Orten noch nicht erfolgt sei. Es brauche eine Prüfung, ob hier möglicherweise "Denunziantentum" gefördert werde und ob überhaupt Info-Austausch stattfinde. (spri, 8.7.2016)

  • Nicht nur durch Präsenz an Hotspots sollen Polizisten das Sicherheitsgefühl künftig verbessern.
    foto: apa/hans klaus techt

    Nicht nur durch Präsenz an Hotspots sollen Polizisten das Sicherheitsgefühl künftig verbessern.

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