Ägyptens Posse um die Sommerzeit

8. Juli 2016, 12:38
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Zum zweiten Mal hat die Regierung die Zeitumstellung rückgängig gemacht. Das führt zu Chaos auf den Flughäfen und Geldstrafen für Egypt Air

Sie kommt, sie kommt nicht, sie kommt ... Die Rede ist von der Sommerzeit in Ägypten. Nun kommt sie definitiv nicht, und das soll auch so bleiben. Wahrscheinlich. Eigentlich hätten nach dem Zuckerfest zum Ende des Ramadan am Donnerstag die Uhren in Ägypten eine Stunde vorgestellt werden sollen. Vor wenigen Tagen hat das Kabinett aber verkündet, man werde darauf verzichten. Damit wollte man sich eine noch größere Blamage ersparen.

Das Parlament hatte gedroht, ein Gesetz zu verabschieden und die Maßnahme in wenigen Tagen wieder rückgängig zu machen. Dasselbe Theater hatte sich bereits Ende April abgespielt. Schon damals war die geplante Umstellung kurzfristig nicht vorgenommen worden. Die Begründung: Im Ramadan solle nicht eine Stunde länger gefastet werden.

Viele ferngesteuerte Uhren zeigen nun die falsche Zeit an, aber vor allem für Flugreisende hat diese Posse unangenehme Konsequenzen. Egypt Air rät, sich bei internationalen Destinationen vier Stunden, bei lokalen Zielen zwei Stunden vor dem Flug auf dem Flughafen einzufinden. Zehntausende Anschlüsse sind betroffen. Im April gab es auch nach einer Woche noch Passagiere, die ihre Flüge verpasst hatten. Die staatliche Egypt Air muss für die Umtriebe nun Geldstrafen von insgesamt zehn Millionen US-Dollar an die International Aviation Transport Association (IATA) zahlen, wie ein Minister bestätigte.

Die einzige Errungenschaft der Revolution

Das Hickhack um die Sommerzeit, die 1988 eingeführt wurde, begann 2011. Damals wurde dem Unmut in der Bevölkerung nachgekommen. Böse Zungen sagen, die Abschaffung der Sommerzeit sei die einzige spürbare Errungenschaft der Revolution gewesen. Am Höhepunkt der Energiekrise vor zwei Jahren wurde die Sommerzeit aus Stromspargründen wieder eingeführt – und einmal im Ramadan dann sogar wieder für einen Monat ausgesetzt.

Die Ägypter mögen die Sommerzeit mit hellen Abenden nicht – sie glauben nicht an einen Spareffekt. Sie sind vor allem in der Nacht aktiv, wenn es kühler ist, und sie sind die Dunkelheit gewohnt. Wegen der südlichen Lage erfolgt der Sonnenuntergang auch am längsten Tag des Jahres bereits kurz nach 19 Uhr. Es gibt deshalb sogar Touristenresorts, die ihre eigene "Sommerzeit" einführen, damit die Gäste das Tageslicht besser nützen können. (Astrid Frefel aus Kairo, 8.7.2016)

  • Die Ägypter haben es nicht so mit der Sommerzeit.
    foto: ap/amr nabil

    Die Ägypter haben es nicht so mit der Sommerzeit.

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