Skurril: Behörde lässt für Erdbebenforschung wichtigen Stein "begradigen"

8. Juli 2016, 11:38
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Vermeintliche Stolperfalle war Indikator für die seismischen Kräfte, die an der Hayward-Verwerfung wirken

Los Angeles – Ein Fall mangelnder Kommunikation zwischen öffentlichen Institutionen: Mit einer simplen Randsteinbegradigung hat die Verwaltung der kalifornischen Stadt Hayward Erdbebenforschern ins Handwerk gepfuscht. Für die Behörden war der Gehsteig mit einer hervorstehenden Kante nur eine mögliche Stolperfalle, die repariert werden musste. Für die Seismologen hatte die unebene Straßenecke allerdings einen hohen wissenschaftlichen Wert.

Warum der Stein nützlich war

Der Randstein war ein anschaulicher Indikator für die seismischen Kräfte, die an der darunter verlaufenden Hayward-Verwerfung wirken. Diese ist eine von mehreren Verwerfungszonen im Großraum um San Francisco. Der 70 Kilometer lange Graben läuft durch dicht besiedelte Gebiete in Nordkalifornien hindurch. Seismologen rechnen damit, dass der Graben bei einem starken Beben bis zu zwei Meter aufreißen könnte.

Über Jahrzehnte hinweg bewegte sich die Bordkante an einer Bruchlinie in die entgegengesetzte Richtung. Seit den 1970er-Jahren wurde die Veränderung an dem Gehsteig von Seismologen fotografiert und vermessen. Auch Lehrer und Schüler pilgerten zu der Straßenecke.

Schlecht kommuniziert

"Ich bin überrascht", erklärte der Erdbebenforscher David Schwartz von der Bundesbehörde US-Geological Survey (USGS) am Donnerstag dem Lokalsender NBC. Er hätte nicht damit gerechnet, dass die Stadt den Randstein "reparieren" würde.

Nach Angaben der Stadt wusste die Straßenbehörde nichts von der wissenschaftlichen Bedeutung. Die Straßenecke sei im Rahmen einer behindertenfreundlichen Sanierung begradigt und für Rollstühle abgesenkt worden. Schwartz geht davon aus, dass die Verwerfung bereits ihre Verschiebung fortsetzt und die Bruchstellen bald wieder zu sehen sind. (APA, red, 8. 7. 2016)

  • Seit den 1970er Jahren sind Seismologen an diese Stelle gepilgert. Was sie zuletzt hier vorfanden, hat sie auch ohne Erdbeben ins Wanken gebracht.
    foto: ap photo/ben margot

    Seit den 1970er Jahren sind Seismologen an diese Stelle gepilgert. Was sie zuletzt hier vorfanden, hat sie auch ohne Erdbeben ins Wanken gebracht.

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