Österreicher arbeiten heute um drei Stunden weniger als 1995

8. Juli 2016, 13:54
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Vollzeitarbeitskräfte arbeiteten zuletzt 34,2 Stunden pro Woche – Österreich beim Wachstum an viertletzter Stelle

Wien – Der Vierer vorn ist sich knapp nicht ausgegangen. Exakt 39.390 Euro erwirtschaftete jeder Einwohner Österreichs 2015 im Durchschnitt. Insgesamt ist das Bruttoinlandsprodukt im Vorjahr um ein Prozent auf 339,9 Milliarden Euro geklettert, wie der Chef der Statistik Austria, Konrad Pesendorfer, am Freitag erläuterte.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über Arbeitszeitverkürzung oder -flexibilisierung sind einige Details der Erhebung interessant. Demnach arbeitete eine Vollzeitkraft zuletzt im Schnitt nur mehr 34,2 Stunden pro Woche. Inklusive der Teilzeitkräfte lag die Zahl der geleisteten Wochenstunden sogar nur mehr bei 28,9 Stunden – ein Rückgang um drei Stunden seit 1995.

Freizeit nicht berücksichtigt

Wie das mit Vergleichen des EU-Statistikbehörde Eurostat zusammenpasst, wonach die Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten bei fast 43 Stunden und somit im EU-Spitzenfeld liegt? Die Zahlen der Statistik Austria sind um Urlaubszeiten und Krankenstände bereinigt – und wie berichtet liegt Österreich bei der Zahl der freien Tage im Spitzenfeld.

Zudem ist der Erhebungsmodus ein anderer – Eurostat arbeitet stärker mit Befragungen. Geleistete Überstunden (bezahlte und unbezahlte) werden aber auch von der Statistik Austria berücksichtigt.

foto: ap
An fünf Tagen die Woche arbeiten immer weniger Leute – das senkt auch den Gesamtdurchschnitt bei der Wochenarbeitszeit.

Dass die Wochenarbeitszeit quer durch alle Gruppen nur mehr bei 28,9 Stunden liegt, hat vor allem mit der steigenden Zahl von Teilzeitkräften zu tun, die in erster Linie in den Bereichen Handel, Gastronomie und Gesundheitsberufe hoch ist, wie Statistikexpertin Kerstin Gruber erklärte.

5,7 Milliarden geleistete Arbeitsstunden

Die maue Wirtschaftslage in den vergangenen Jahren hat dazu geführt, dass das Arbeitsvolumen aller Arbeitskräfte leicht gesunken ist – um 0,3 Prozent auf 5,7 Milliarden Stunden. Die realen Arbeitnehmerentgelte sind nach 2009 deutlich eingebrochen, dann einige Jahre mehr oder weniger konstant geblieben und erst im Vorjahr wieder leicht gestiegen, was auch mit der zuletzt niedrigen Inflation zu tun. Die Details dazu zeigt diese Grafik:

Mit einem BIP pro Kopf von etwas mehr als 39.000 Euro liegt Österreich insgesamt noch immer relativ gut. Nur Luxemburg, Irland und die Niederlande haben hier höhere Werte. Allerdings: Die Dynamik spricht klar gegen Österreich. Im Vorjahr hatten nur Italien, Finnland und Griechenland ein niedrigeres Wachstum als Österreich.

Das Jahr 2015 war zudem bereits das vierte in Folge mit einem Wachstum unter dem 20-Jahr-Durchschnitt, im EU-Vergleich hinkt Österreich ebenfalls bereits seit einigen Jahren hinterher, wie diese Grafik zeigt.

Problem Bau

Im Detail ausgewertet wurde von der Statistik Austria, welche Sektoren besonders schwächeln und welche noch halbwegs gut dastehen.

Eine Problembranche war zuletzt der Bau – hier gab es sogar einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent. Der Handel, der immerhin für mehr als ein Drittel der heimischen Wirtschaftsleistung verantwortlich zeichnet, konnte ebenfalls nur unterdurchschnittlich performen (0,6 Prozent Wachstum). Vor allem der Großhandel schwächelte – er schrumpfte sogar. Das größte Plus gab es in den Bereichen Herstellung von Waren (1,8 Prozent Wachstum) und Information und Kommunikation (1,5 Prozent).

Schwacher Konsum

Bestätigt wurde von der Statistik Austria, dass der Konsum im Jahr vor Inkrafttreten der Steuerreform massiv schwächelte. Zwar ging fast die Hälfte des BIP-Wachstums auf den Bereich Konsum zurück – allerdings gab es de facto nur ein Wachstum durch staatliche Ausgaben. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte spielten kaum eine Rolle. Durch die Steuerreform im Volumen von rund fünf Milliarden Euro sollte sich hier im aktuellen Jahr eine deutliche Verschiebung ergeben. (Günther Oswald, 8.7.2016)

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