"Sturschädel" Elon Musk gefährdet mit PR-Desaster Teslas Zukunft

8. Juli 2016, 10:30
649 Postings

Nach Unfall mit tödlichem Ausgang gibt sich Musk besserwisserisch statt einfühlsam – außerdem steht der Aktienverkauf in der Kritik

Die Reaktion von Tesla auf den tödlichen Unfall eines Kunden, der das Autopilotsystem nutzte, entwickelt sich zusehends zum PR-Desaster. Tesla-Chef Elon Musk habe in den vergangenen Tagen Journalisten beschimpft, Wortklauberei betrieben und den Unfalltod als statistische Normalität dargestellt, kritisieren mehrere Medien. Wie vergangene Woche bekanntgeworden ist, war am 7. Mai ein Tesla-Nutzer zu Tode gekommen, der das Autopilotsystem aktiviert hatte. Ein die Straße kreuzender Lkw mit weißer Plane wurde nicht als Hindernis erkannt, weshalb die "Bremse nicht aktiviert wurde", wie Tesla erklärte.

"Aggressive Verteidigung"

Bei so einem Fall müsse ein CEO "mit Mitgefühl reagieren", sagt der Krisen-PR-Manager Jonathan Bernstein dem "Guardian". Wichtig sei es laut Bernstein, dann "Kompetenz und Vertrauen" herzustellen. Doch Musk reagiere mit "aggressiver Verteidigung" und sei ein "Sturschädel". Das Hantieren mit Statistiken, das Musk betreibe, habe sich laut PR-Experten wiederholt als schlechte Methode erwiesen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. "Ich habe sehr lang niemanden beobachtet, der närrisch genug ist, um in so einem Fall Statistiken hervorzuholen", sagt Bernstein.

Dubiose Vorgänge

Abgesehen davon gibt es mehrere dubiose Vorgänge, die Tesla und dessen CEO nicht nachvollziehbar erklären konnten oder wollten. So erklärte der Tesla-Zulieferer Mobileye, dass der Autopilot gar nicht in der Lage sei, schwierige Situationen an Straßenkreuzungen zu verarbeiten. Außerdem wurde nun publik, dass Musk und Tesla in der Zeit zwischen Unfall und dessen öffentlichem Bekanntwerden Aktien im Wert von mehr als zwei Milliarden Dollar verkauft hatten. Das Wirtschaftsmagazin "Fortune" bezeichnete dies als "Irreführung".

Musk reagierte darauf, indem er die "Fortune"-Redaktion beschimpfte. Wenn, dann habe der Unfall die Klickzahlen der Onlinemedien und damit deren Werbeumsätze gesteigert, so Musk – an Teslas Marktwert habe sich jedoch nichts verändert, schrieb der CEO auf Twitter. PR-Manager Bernstein sagte zum "Guardian", dieses Verhalten sei eine "Fallstudie, wie man es nicht machen soll". Allerdings ist Musk für seine cholerischen Anfälle bekannt.

Reputation beschädigt

So ging Tesla juristisch gegen die BBC vor, nachdem diese in der Sendung "Top Gear" ein Tesla-Modell kritisiert hatte. Einen Artikel der "New York Times", der ebenfalls Kritik an Tesla übte, bezeichnete Musk als "Fake". Einem "superunhöflichen" Käufer hatte Musk höchstpersönlich den Kauf eines Tesla-Fahrzeuges storniert. Schon diese exzentrischen Aktionen hatten Teslas Reputation in den Augen vieler potenzieller Kunden beschädigt. Der Tod eines Nutzers durch fehlerhafte Systeme spielt da noch einmal in einer ganz anderen Liga.

Sammelklage droht

Im schlimmsten Fall droht Tesla nun neben dem Wegfall von Kunden ein Prozess. Denn das "Suggerieren des automatischen Fahrens" könne Tesla für den Unfall haftbar machen, schreibt die "Los Angeles Times". Zwar betonte Tesla immer wieder, seine Kunden müssten trotz Autopilot aufmerksam sein – allein der Name suggeriere aber schon, dass das System selbstständig fahre, so Anwalt Stephen Nichols. Musk meint dazu, dass das System in Flugzeugen ja auch "Autopilot" heiße und der Pilot "wachsam" sein müsse.

"Einerseits sagt Tesla: Unser System ist sicher, wir fahren besser, als du es könntest – aber wenn etwas passiert, wollen sie damit nichts zu tun haben", sagt die Konsumentenschützerin Rosemary Shahan zur "Los Angeles Times". Musks Strategie, die Sicherheit des Tesla-Systems mit Statistiken zu belegen, verstärke diesen Eindruck nur.

Deutschland: Aufklärung des Sachstandes

Das deutsche Bundesverkehrsministerium hat einen Bericht über Ermittlungen gegen den US-Autobauer Tesla indes zurückgewiesen. "Es gibt kein Ermittlungsverfahren", sagte ein Sprecher am Freitag in Berlin, fügte aber hinzu: "Wir klären den technischen Sachstand auf." Das Ministerium reagierte damit auf einen Bericht des Magazins "Der Spiegel", wonach gegen den Elektrowagen-Pionier wegen möglicherweise illegaler Aktualisierungen am Fahrerassistenzsystem ermittelt werde. Es gebe "eine normale Sachstandsgewinnung, die innerhalb von Kraftfahrt-Bundesamt und Ministerium läuft", so der Sprecher. Der "Spiegel" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass die Behörde Hinweisen nachgehe, wonach Funktionen aufgespielt worden seien, die im Rahmen der Typgenehmigung nicht auf ihre Sicherheit überprüft worden seien.

Dabei solle es sich um ein System handeln, das Überholvorgänge regele. Wenn sich der Verdacht bestätigen sollte, könne die Typgenehmigung für die Tesla-Fahrzeuge vom Model S erlöschen, die Wagen müssten dann stillgelegt werden. Nach "Spiegel"-Angaben hat das Ministerium einen Gutachter bestellt, der den Hinweisen nachgehen soll.(fsc, 8.7.2016)

  • Tesla-Chef Elon Musk setzt sich mit seiner Reaktion auf einen tödlichen Unfall in die Nesseln.
    foto: reuters/lam

    Tesla-Chef Elon Musk setzt sich mit seiner Reaktion auf einen tödlichen Unfall in die Nesseln.

Share if you care.