Der wahre Wert von teurem Event-Recruiting

Interview11. Juli 2016, 09:45
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Enormen Aufwand für die Talentesuche: Was man sich davon verspricht, erklärt Olivier Lecocq, L'Oréal-Europapersonalchef

Kürzlich veranstaltete der Kosmetikriese L'Oréal zum 24. Mal den Wettbewerb "Brandstorm". Dafür entwickeln Studierende Marketing-Konzepte für eine von L'Oréals-Marken. Diesmal ging es um die Dermokosmetik-Marke La Roche-Posay, im Fokus standen digitale Strategien. 15.000 Studierende aus 58 Ländern nahmen am Brandstorm teil. 44 Teams zu jeweils drei Personen setzten sich in nationalen Bewerben durch – L'Oréal ließ sie nach Paris fliegen, wo sie ihr abermals pitchten. Die besten drei traten im Finale in einem schicken Pariser Pavillon, auf einer leuchtenden Bühne gegeneinander an. Es war eine Riesenshow. Olivier Lecocq, Europapersonal-Chef von L'Oréal, erklärt, warum sie für L'Oréal wichtig ist.

STANDARD: Studierende aus der ganzen Welt einfliegen lassen, eine Riesenlocation mieten – wieso betreiben Sie einen derartigen Aufwand, Monsieur Lecocq?

Lecocq: Brandstorm ist für uns sehr wichtig. Einerseits ist er ein Mittel, uns als attraktiver Arbeitgeber zu zeigen. Andererseits nutzen wir ihn für die Suche nach High Potentials. Dass wir eng mit Hochschulen weltweit zusammenarbeiten, erlaubt uns, Studierende unterschiedlicher Unis kennenzulernen. Wir können miterleben, wie sie die Aufgabe angehen, sehen ihre Talente und ob sie gute Ideen haben. Aber auch für die Studenten bringt er Vorteile.

STANDARD: Welche? Brandstorm, sagte eine Teilnehmerin, bedeutet vor allem sehr, sehr viel Arbeit.

Lecocq: Der große Vorteil ist der Praxisbezug, Studenten lernen realitätsnah. Dazu stellen wir ihnen Marktdaten zur Verfügung. Außerdem bieten wir eine E-Learning-Plattform, wo sie sich Experteninfos holen und sich untereinander austauschen können.

STANDARD: Was können Sieger sich vom Brandstorm erhoffen? Einen Einstieg ins Unternehmen?

Lecocq: Tatsächlich gibt es viele Erfolgsgeschichten: ehemalige Brandstorm-Teilnehmer, die jetzt gute Jobs im Unternehmen haben. Wie sich jemand beim Wettbewerb schlägt, zeigt, wie er später im Job performt. Finden wir jemanden interessant, bleiben wir mit ihm in Kontakt.

STANDARD: Wir sprachen von guten Ideen: Hier wurden viele präsentiert. Was geschieht damit?

Lecocq: La Roche-Posay hat die Möglichkeit, sie zu verwenden – egal ob Produktkonzept, Werbeidee oder eine Aktion in der Verkaufsstelle. Der "Digitologist" etwa, den das Team Polen vorstellte, könnte so demnächst in einem Land realisiert werden. (Lisa Breit, 11.7.2016)

Zur Person:

OLIVIER LECOCQ (55) ist Europa-Personalchef bei L'Oréal.

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  • Für das Finale des Wettbewerbs "Brandstorm" mietete L'Oréal kürzlich einen historischen Pavillon in Paris.
    foto: ho

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  • High Potentials bei Champagner und Disco.
    foto: ho

    High Potentials bei Champagner und Disco.

  • Er stellt das Team des Duftriesen L'Oréal zusammen.
    foto: ho

    Er stellt das Team des Duftriesen L'Oréal zusammen.

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