Wasserflöhe lassen sich maßgeschneiderte Rüstungen wachsen

10. Juli 2016, 12:38
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Um ihren zahlreichen Feinden zu entgehen, entwickeln Daphnien jeweils erforderliche Helme, Dornen und Panzer

Brighton – Wasserflöhe stehen auf dem Speisezettel zahlreicher Süßwasserbewohner und sind damit an der Basis der Nahrungspyramide angesiedelt. Völlig wehrlos sind die winzigen Krebstiere gegenüber ihren Feinden aber nicht. Im Gegenteil: Deutsche Biologen sind nun dahinter gekommen, dass Wasserflöhe der Gattung Daphnia sogar maßgeschneiderte Schutzmaßnahmen entwickeln können – je nach dem, welche Räuber in ihrer Umgebung gerade ihr Unwesen treiben.

"Wenn Daphnien heranwachsen und sich häuten, können sie eine ganze Reihe von Abwehrmechanismen entwickeln", erklärt Studienleiterin Linda Weiss von der Ruhr-Universität Bochum. "Das Wachstum dieser Helme, Kopfauswüchse, Dornen und Stacheln wird jeweils von spezifischen chemischen Substanzen ausgelöst, die unterschiedliche Fressfeinde im Wasser hinterlassen." Dazu zählen etwa Fische, Mückenlarven oder Rückenschwimmer, eine aquatisch lebende Wanzenart.

Die Biologen nehmen an, dass die Verteidigungsmaßnahmen an die Fressgewohnheiten der Räuber angepasst sind. Beispielsweise können einige Süßwasserfische ausschließlich kleine, kompakte Beutetiere verschlingen. Um diesen hungrigen Mäulern zu entgehen, legt sich Daphnia lumholtzi lange Kopf- und Schwanzdornen zu.

Hormone lassen Rüstung wachsen

Zu wachsen beginnen sie, wenn gewisse chemische Signale im Wasser auf die Nähe des jeweiligen Feindes hinweisen. Wie Weiss und ihre Kollegen beim Jahrestreffen der Society for Experimental Biology in Brighton (England) berichten, übersetzen Neurotransmitter, darunter auch Dopamin, die chemischen Warnhinweise in eine hormonelle Reaktion, die wiederum das Wachstum der Abwehrgebilde auslöst.

Nachdem Wasserflöhe zu den ersten Gliedern der Nahrungskette in Teichen und Seen zählen, dürfte ihre körperliche Anpassungsfähigkeit auch Auswirkungen auf die jeweiligen Ökosysteme haben, vermutet Weiss – ein Aspekt, den die Forscher nun genauer unter die Lupe nehmen wollen. (tberg, 10.7.2016)

  • Links der ungeschützte Wasserfloh Daphnia longicephala, rechts die selbe Art mit wehrhaftem Helm und verlängertem Schwanzdorn.  Der "Verteidigungsmodus" wird in Gang gesetzt, wenn der Wasserfloh chemische Hinweise auf den Rückenschwimmer Notonecta glauca wahrnimmt.
    illustration: linda weiss

    Links der ungeschützte Wasserfloh Daphnia longicephala, rechts die selbe Art mit wehrhaftem Helm und verlängertem Schwanzdorn. Der "Verteidigungsmodus" wird in Gang gesetzt, wenn der Wasserfloh chemische Hinweise auf den Rückenschwimmer Notonecta glauca wahrnimmt.

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